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 Motiv: © daboost - Fotolia.com

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Kennzahl: 17.11608
03.09.2015

Berufsausbildung ohne Grenzen - Französische Jugendliche starten ihre Ausbildung im Saarland


  • Zehn junge Menschen aus Lothringen absolvieren ihre praktische Ausbildung in einem deutschen Unternehmen und die theoretische Ausbildung in Frankreich.
  • Das Rahmenabkommen zur grenzüberschreitenden Berufsausbildung wird damit weiter umgesetzt.
Im letzten Jahr haben die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit mit Globus, Möbel Martin, der Industrie- und Handelskammer, dem Ministerium für Bildung und Kultur, der Académie Nancy-Metz vertreten durch die französische Berufsschule Lycée Henri Nominé und Pole Emploi ein Projekt zur grenzüberschreitenden Berufsausbildung gestartet. Diese Woche begannen zehn
Jugendliche aus Lothringen mit der grenzüberschreitenden Ausbildung: den praktischen Teil ihrer Ausbildung im Einzelhandel absolvieren sie in einem der Einrichtungshäuser des Unternehmens Möbel Martin im Saarland und in Zweibrücken sowie in den Globus-Warenhäusern Güdingen und Homburg-Einöd. Der theoretische Teil der Ausbildung findet in Saargemünd, im Lycée Henri Nominé statt.

Nach zwei Jahren erlangen die Auszubildenden den französischen Abschluss „BTS négociations relations clients“. Im Anschluss können sie sich, wenn sie dies wünschen, noch ein weiteres Jahr im deutschen Ausbildungsbetrieb ausbilden lassen und auch die deutsche Berufsschule besuchen, um mit der IHK-Abschlussprüfung den Berufsabschluss der Einzelhandelskauffrau beziehungsweise des Einzelhandelskaufmanns zusätzlich zu erwerben. In der deutschen Berufsschule werden sie von deutschen Schülerinnen und Schülern erwartet, die sich mit berufsbezogenem Französischunterricht auf ihr Kommen vorbereitet haben. Damit dieser Anschluss zum deutschen Abschluss nahtlos funktioniert, stimmt die Friedrich-List-Schule in Saarbrücken die schulischen Lerninhalte mit dem Lycée Henri Nominé ab.

Heidrun Schulz, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion-Rheinland-Pfalz-Saarland rät den jungen Menschen im Nachbarland zu dieser grenzüberschreitenden Berufsausbildung. „Die deutsch-französische Ausbildung kommt in der Grenzregion weiter in Fahrt. Die Auszubildenden lernen die Arbeitswelt jenseits der Grenze kennen und verbessern ihre Sprachkenntnisse. Auch die Unternehmen profitieren. Sie können beispielsweise ihre französischen Kunden individueller betreuen.“

Bildungsminister Ulrich Commerçon betont: „Durch diese bemerkenswerte grenzüberschreitende Kooperation fördern wir die kulturelle und fachliche Sprachkompetenz, die Mobilität und die beruflichen Chancen von Jugendlichen in der Großregion. Gleichzeitig stärken wir die duale Berufsausbildung in Betrieb und Berufsschule im Saarland und in Lothringen.“

„Die Berufsausbildung ohne Grenzen ist ein Element der grenzüberschreitenden Mobilität. Sie bietet Chancen für die jungen Menschen und die Unternehmen diesseits und jenseits der Grenze“, ist Europaminister Stephan Toscani überzeugt. „Berufliche Mobilität ist wesentlicher Bestandteil der Frankreichstrategie des Saarlandes, die vor allem die Bürgerinnen und Bürger sowie die Wirtschaft motivieren möchte, von den Vorteilen des Landes als europäische Referenzregion zu profitieren“.

Birgit Gerber-Schmidt, Personalleiterin bei Globus Handelshof Saarbrücken-Güdingen: „Nach all den Monaten der Projektarbeit können wir das Projekt zur grenzüberschreitenden Berufsausbildung endlich starten. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den jungen französischen Auszubildenden und haben damit einen großen Schritt über die Grenze hinaus gemacht. Alle Beteiligten und auch unsere Kunden können von dieser Ausbildung nur profitieren.“

„Die vorbildliche grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen unseren Unternehmen und den beteiligten Institutionen hat zu einem tollen Ergebnis geführt. Wir bieten französischen Jugendlichen eine sehr attraktive Ausbildungsalternative an, die zur Sicherung unseres Fachkräftebedarfs beiträgt. Zugleich ist die grenzüberschreitende Ausbildung ein Baustein unserer Strategie, unseren vielen französischen Kunden ein sprachlich und kulturell passgenaues Beratungs- und Serviceangebot zu unterbreiten. Wir freuen uns auf die neuen Kolleginnen und Kollegen“, so Dr. Michael Karrenbauer, Geschäftsführer bei Möbel Martin.

IHK-Hauptgeschäftsführer Volker Giersch: „Die grenzüberschreitende Berufsausbildung kann einen weiteren wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung in unserer Region leisten. Und sie trägt dazu bei, dass die Großregion Saar-Lor-Lux weiter zusammenwächst. Unsere IHK wird grenzüberschreitende Projekte deshalb auch in Zukunft kräftig unterstützen“.

„Die ersten Ausbildungsanfragen haben es uns ermöglicht, die Bedingungen für die erfolgreiche Umsetzung der grenzüberschreitenden Ausbildung zu schaffen. Wir haben besonders auf die Anerkennung der Ausbildungsverträge geachtet und in einer gemeinsamen pädagogischen Arbeit die Ausbildungsinhalte und -standards sichergestellt“, erläutert Anne-Marie Messe, Beraterin des Rektors der Académie Nancy-Metz. „Im Anschluss an diese Pilotphase, in der die Unternehmen Globus und Möbel Martin die Ausbildung zum ersten Mal umsetzen, erfolgt eine Evaluierung und Auswertung, mit dem Ziel die grenzüberschreitende Ausbildung auf alle französischen Berufsschulen (CFA) in Lothringen auszuweiten.“

„Pôle emploi begleitet seit Beginn die Initiative der grenzüberschreitenden Ausbildung und wir sind froh, dass wir mit dem Projekt gemeinsam mit den beiden Unternehmen Möbel Martin und Globus sowie den anderen Partnern den Stein ins Rollen gebracht haben“, so Patrick Guiné, Directeur Territorial Pôle emploi Moselle. „Die institutionellen Akteure haben damit praktische Erfahrung mit dem neuen Instrument der grenzüberschreitenden Ausbildung gewonnen, die es uns erlaubt, künftig noch zielgerichteter auf die Bedürfnisse der Unternehmen und jungen Menschen einzugehen. Gleichzeitig geben wir damit zehn jungen Menschen eine konkrete und hervorragende berufliche Perspektive. Auf diese Weise trägt die grenzüberschreitende Ausbildung auch dazu bei, den Nachwuchs für die historisch gewachsene deutsch-französische Mobilität zu sichern.“

Das Projekt basiert auf den Vereinbarungen zur grenzüberschreitenden beruflichen Bildung, die am 20. Juni 2014 von der saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und dem Präsident des Regionalrates der Region Lothringen Jean-Pierre Masseret sowie weiteren Partnern am Ausbildungsmarkt beider Länder unterzeichnet wurden.

Von Anfang an hat das europäische Netzwerk EURES (EURopean Employment Services) an diesem Projekt mitgearbeitet und es finanziert. Ziel dieses Netzwerks ist die Förderung der beruflichen Mobilität in Europa. EURES wird das Projekt der grenzüberschreitenden Berufsausbildung weiterhin intensiv begleiten.

Am 3. September lädt die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland alle Partner zum feierlichen Start des Projektes ein. „Ich bin mir sicher, dass die grenzüberschreitende Berufsausbildung von Jahr zu Jahr erfolgreicher wird. Hierauf sind wir alle sehr stolz“, so Heidrun Schulz.