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 Motiv: © Marco2811 - Fotolia.com

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31.07.2019

Schwache Konjunktur leitet Trendwende am Arbeitsmarkt ein


Im Juli ist die Arbeitslosigkeit gestiegen. Dies ist eine saisonal durchaus übliche Entwicklung in der Ferienzeit zur Jahresmitte. Allerdings fällt der Anstieg an der Saar in diesem Jahr besonders kräftig aus, wie ein Vergleich mit der längerfristigen Entwicklung zeigt. Außerdem stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat nun schon zum dritten Mal hintereinander. Die konjunkturelle Abschwächung hat also den Arbeitsmarkt erreicht, die Trendwende ist eingeleitet.

Aktuell sind an der Saar 34.145 Menschen arbeitslos. Das ist ein Zuwachs von 1.858 Personen gegenüber Juni. Vergleicht man den aktuellen Anstieg mit dem 10-jährigen Durchschnitt, so fällt letzterer nur halb so hoch aus. Die Arbeitslosenquote stieg hierzulande von sechs auf 6,4 Prozent, im Juli 2018 betrug sie nur 6,2 Prozent. Im Bund verlief die Entwicklung zwar ähnlich, aber deutlich gedämpfter. Die Bund-Quote stieg nur leicht von 4,9 auf fünf Prozent. Die relative Schwäche des Saarlandes zeigt sich auch im Ranking der Bundesländer. Nur noch fünf Länder weisen eine höhere Arbeitslosenquote auf. Ein Blick auf den Spitzenreiter Bayern mit seiner Quote von 2,7 Prozent beweist, wie weit das Saarland inzwischen zurückgefallen ist. Schlusslicht im aktuellen Ländervergleich bleibt weiterhin Bremen mit 10,2 Prozent.

Die insgesamt relativ schwache Entwicklung zeigt sich auch in einigen Teilsegmenten des Arbeitsmarktes. Die Jugendarbeitslosigkeit stieg im Juli sowohl im Saarland wie auch bundesweit. Dabei kletterte die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen hierzulande von 5,1 auf sechs Prozent, im Bund hingegen „nur“ von 4,2 auf 4,9 Prozent. Bei der Arbeitslosigkeit älterer Menschen ist die kurze Aufhellung des Vormonats auch schon wieder vorbei. Deutschlandweit verharrte die Quote der 55 bis unter 65-Jährigen bei 5,2 Prozent, im Saarland stieg sie leicht von 5,7 auf 5,8 Prozent – genau die entgegengesetzte Bewegung zum Vormonat. Insgesamt zeichnet sich dieses Segment des Arbeitsmarktes in den letzten Monaten eher durch Stagnation aus. Und bei der Bekämpfung der Ausländerarbeitslosigkeit hat sich der Wind richtiggehend gedreht, nachdem zuvor messbare Erfolge erkennbar waren. Die Quote arbeitsloser Ausländer stieg an der Saar recht kräftig von 17,7 auf 18,4 Prozent. Im Bund hingegen nur leicht von 11,9 auf 12,1 Prozent. In allen drei Teilsegmenten des Arbeitsmarktes hinkt das Saarland dem Bund also mehr oder weniger deutlich hinterher.

Das Beschäftigungsniveau ist im Mai (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) erwartungsgemäß weiter gestiegen. Das entspricht dem üblichen saisonalen Verlauf im Frühjahr. Aber auch hier sind die Bremsspuren mittlerweile unverkennbar. So fallen deutschlandweit die Beschäftigungszuwächse am aktuellen Rand inzwischen sehr bescheiden aus. Im Vorjahresvergleich - also gegenüber Mai 2018 – liegt das Saarland mit einem Plus von 0,9 Prozent auf dem fünftletzten Platz im Länderranking (auf dem letzten Platz liegt Thüringen, wo der Beschäftigungsaufwuchs inzwischen zum Erliegen gekommen ist). Mit 392.800 Beschäftigten waren im Mai hierzulande rund 3.300 Menschen mehr in Arbeit als noch ein Jahr zuvor. Im Bundschnitt stehen demgegenüber aber immer noch +1,7 Prozent zu Buche. Im langfristigen Vergleich ist eine abnehmende Tendenz bei der Beschäftigungsentwicklung klar erkennbar. Sie wird deutlich, wenn die Wachstumsraten aus Mai 2018 zum Vergleich herangezogen werden. Da wuchs die Beschäftigung an der Saar noch mit +1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, im Bund sogar mit +2,3 Prozent. Das Tempo beim Beschäftigungsaufbau hat sich also deutlich reduziert.

„Der saarländische Arbeitsmarkt gerät zunehmend unter Druck. Der saisonal übliche Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Ferienzeit wird durch die konjunkturelle Schwäche verstärkt. Die Anzeichen für eine Trendwende am Arbeitsmarkt sind inzwischen unübersehbar. So ist die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen inzwischen deutlich gesunken und die Arbeitslosigkeit bereits zum dritten Mal in Folge im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Gute Beschäftigungschancen sehen wir jedoch weiterhin für die vielen jungen Menschen, die gerade ihre Ausbildung beendet haben und nun eine Anschlussbeschäftigung suchen.“ So kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Heino Klingen die heute von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit vorgelegten Arbeitsmarktzahlen.

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