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 Motiv: ©Prostock-studio - stock.adobe.com

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28.12.2019

Saarwirtschaft kehrt auf Wachstumskurs zurück - aber bis zu 2.000 Arbeitsplätze weniger

IHK-Jahresprognose 2020 für das Saarland


„Die Saarwirtschaft blieb auch in diesem Jahr wieder unter ihren Möglichkeiten. Der Hauptgrund dafür ist die schwächelnde Weltwirtschaft, die durch internationale Handelskonflikte gebremst wurde. Das traf in erster Linie unsere Industrie, die neben rückläufigen Exporten auch noch eine schwache Investitionsnachfrage aus Deutschland verkraften musste. Der private Verbrauch stützte zwar die Konjunktur, er konnte die gesunkene Exportnachfrage aber nicht in Gänze ausgleichen. Es ist deshalb damit zu rechnen, dass nach 2018 auch im jetzt zu Ende gehenden Jahr beim Wirtschaftswachstum ein negatives Ergebnis erzielt wird. Der Rückgang an Wirtschaftsleistung dürfte bei 0,5 Prozent liegen.“ Mit diesen Worten kommentierten  IHK-Präsident Dr. Hanno Dornseifer und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Heino Klingen die Entwicklung der Saarwirtschaft im Jahr 2019.

„Auch im kommenden Jahr wird die Saarwirtschaft sich nur schleppend entwickeln. Allerdings spricht derzeit einiges dafür, dass sich die Konjunktur stabilisiert und der Verlust an Wirtschaftsleistung gestoppt werden kann. Positiv zu nennen sind hier die grundsätzliche Einigung der USA mit China, ein Handelsabkommen zu schließen und die vergleichsweise gute Konjunktur bei unseren Nachbarn in Frankreich, Spanien, Belgien und den Niederlanden. Das dürfte unserer Exportwirtschaft neuen Auftrieb geben. Unter der Vorausetzung, dass weitere Schocks ausbleiben, wird das saarländische Bruttoinlandsprodukt im nächsten Jahr voraussichtlich um ein halbes Prozent steigen“, so Dornseifer.

Dämpfer vom Export

Den Einschätzungen der IHK liegt eine detaillierte Analyse der saarländischen Industrie zugrunde. Danach musste diese im Jahr 2019 sowohl bei Umsätzen als auch bei Auftragseingängen deutliche Rückgänge verzeichnen. In den ersten zehn Monaten des Jahres gingen die Umsätze im verarbeitenden Gewerbe um insgesamt 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück (Bund: -0,2 Prozent). Maßgeblich hierfür war insbesondere die rückläufige Auslandsnachfrage. Sie verringerte sich in diesem Zeitraum um 5,7 Prozent. Vor allem die Ausfuhren in die wichtigen westeuropäischen Absatzmärkte Großbritannien (-16,8 Prozent), Italien (-15,4 Prozent), Frankreich (-2,0 Prozent), Spanien (-1,1 Prozent), aber auch nach China (-20,2 Prozent) und in die Türkei (-33,4 Prozent) waren davon betroffen. Diese Rückgänge konnten nicht durch die Zunahme der Exporte in die Niederlande (+20,9 Prozent), nach Belgien (+3,6 Prozent), Österreich (+2,7 Prozent) und Polen (+1,3 Prozent) sowie in die USA (+3,1 Prozent) und nach Russland (+11,7 Prozent) kompensiert werden. Unter dem Strich gingen die Exporte in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,2 Prozent zurück.

Blick in die Branchen: Viel Schatten, wenig Licht

Der Blick in die Branchen zeigt ein gespaltenes Bild. Die größten Umsatzeinbußen mussten die Elektroindustrie und die Hersteller von Metallerzeugnissen verschmerzen. In diesen beiden Branchen fielen die Erlöse in den ersten neun Monaten um 12,8 bzw. 7,7 Prozent. In der Fahrzeugindustrie sank der Umsatz um 5,5 Prozent. Ursächlich hierfür ist die weltweit nachlassende Nachfrage nach Autos. Nach Angaben des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA) sinkt in diesem Jahr der globale PKW-Absatz von rund 84 auf 80 Millionen Einheiten. Dieser Rückgang trifft vor allem den deutschen Fahrzeugbau, der drei von vier hierzulande produzierten Autos exportiert.

Angesichts der engen Verzahnung mit dem Fahrzeugbau an der Saar gingen auch die Umsätze im Maschinenbau (-3,7 Prozent), in der Stahlindustrie (-5,8 Prozent) sowie in der Gummi- und Kunststoffindustrie (-1,7 Prozent) zurück.

Positive Entwicklungen gab es dagegen in den bau- und verbrauchernahen Branchen wie der Keramikindustrie (+2,8 Prozent) und dem Ernährungsgewerbe (+1,0 Prozent).

Bei den Auftragseingängen musste das Verarbeitende Gewerbe im Saarland insgesamt einen Rückgang von 7,8 Prozent in den ersten zehn Monaten verbuchen (Bund: -4,8 Prozent). In den strukturprägenden Branchen (Fahrzeugbau, Stahlindustrie, Maschinenbau) liegen die Rückgänge zum Teil sogar noch über diesem Wert. „Das unterstreicht, dass das kommende Jahr im Saarland kein Selbstläufer für die Saarwirtschaft wird“, so Dornseifer.

Aussichten: Verhalten optimistisch

Vor diesem Hintergrund ist die IHK für 2020 nur verhalten positiv gestimmt. Zwar geht es global betrachtet weiter aufwärts, aber nur mit gebremstem Schwung. Die OECD sagt für 2020 ein Wachstum des weltweiten Sozialprodukts von 2,9 Prozent voraus. Laut Welthandelsorganisation (WTO) wird sich das weltweite Handelsvolumen ebenfalls in dieser Größenordnung bewegen.

Ein Hoffnungszeichen sind die Wachstumsprognosen für unsere europäischen Nachbarn, etwa für Frankreich und die Niederlande (beide jeweils plus 1,4 Prozent), Belgien (+1,6 Prozent), Österreich (+1,7 Prozent) und Großbritannien (+2,0 Prozent). Diese Dynamik verspricht auch Auftrieb für die Saarwirtschaft. „Vorausgesetzt, dass die Ankündigungen zwischen den USA und China zu einem belastbaren Handelsabkommen führen und der Brexit geordnet vollzogen wird, erwarten wir ein Exportplus von drei Prozent“, so Klingen.

Der private Verbrauch dürfte einmal mehr die Konjunktur stützen. Regelrechte Wachstumsschübe sind von ihm allerdings nicht zu erwarten. Der Arbeitsmarkt wird zwar weiterhin robust bleiben, allerdings werden schwächere Lohnabschlüsse und die rückläufige Bevölkerungszahl dem Wachstumsbeitrag des privaten Konsums enge Grenzen setzen.

Positiv auf das Saarwachstum dürfte sich auch der Beginn des Jahrzehnts der Investitionen auswirken. Die Landesregierung beabsichtigt, bis 2030 eine Milliarde Euro zu investieren. „Entscheidend ist, dass dabei vor allem wirtschaftsnahe Investitionen getätigt werden, die zu einem Aufwuchs der privaten Investitionen beitragen“, so Dornseifer.

Arbeitsmarkt: Bis zu 2.000 Arbeitsplätze weniger

Der saarländische Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren außerordentlich gut entwickelt. Die Beschäftigung ist im Trend kontinuierlich gestiegen und erreichte 2019 mit durchschnittlich rund 393.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ein neues Rekordniveau. Allerdings hat der weitere Stellenaufbau vorerst seinen Zenit überschritten. Klingen: „Hauptursächlich hierfür sind die Kapazitätsanpassungen im Fahrzeugbau, in der Gießereiindustrie und bei den Herstellern von Metallerzeugnissen. Insgesamt erwarten wir im Jahresschnitt 2020 ein Minus in der Größenordnung von 1.500 bis 2.000 Arbeitsplätzen. Die Arbeitslosenquote dürfte sich im Jahresschnitt bei 6,5 Prozent einpendeln.“

Wachstumskräfte stärken

Die Saarwirtschaft steht vor einem epochalen Strukturwandel. Davon sind mit dem Fahrzeugbau und der Stahlindustrie gleich zwei Grundpfeiler der Saarindustrie betroffen. Aus Sicht der IHK darf die Politik in Bund und Land die Unternehmen mit den aktuellen Herausforderungen nicht alleine lassen. Sie brauchen Hilfe zur Selbsthilfe. Die Landesregierung sollte deshalb möglichst rasch ein Standortsicherungskonzept vorlegen. Dies hatte die Landesregierung bereits im Koalitionsvertrag angekündigt. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, diesem Versprechen auch Taten folgen zu lassen. Darin enthalten sein sollte erstens ein klarer Fahrplan für das von ihr proklamierte „Jahrzehnt der Investitionen“. Mit belastbaren Antworten darauf, welche Infrastrukturinvestitionen in den nächsten Jahren wann, wo und in welchem Umfang getätigt werden sollen.

Mindestens genauso nötig sind – zweitens – Antworten auf die Frage, wie der Industriestandort Saarland wettbewerbsfähiger werden kann. Hier ist einiges zu tun, denn die Standortkosten sind hierzulande zum Teil deutlich höher als anderswo. Die Stichworte hierzu lauten unter anderem Gewerbe- und Grunderwerbsteuer. „Bislang sind die Unternehmen mit diesem Nachteil noch einigermaßen zurechtgekommen. Doch das wird im bevorstehenden Strukturwandel immer schwieriger. Deshalb muss das Saarland bei den Standortkosten endlich handeln, damit neue Unternehmen ins Land kommen und hier mehr investiert wird“, so Dornseifer.