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 Motiv: ©alphaspirit - stock.adobe.com

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Kennzahl: 17.15398
01.07.2020

Arbeitsmarkt im Sog der Corona-Pandemie


Im Juni ist die Arbeitslosigkeit erneut angestiegen. Saisonüblich wäre dagegen ein Absinken vor dem Beginn der Sommerferien gewesen. Die Auswirkungen der Corona-Krise belasten den Arbeitsmarkt also weiterhin. Aktuell sind im Saarland 40.356 Menschen ohne Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote kletterte von 7,5 Prozent im Mai auf jetzt 7,6 Prozent. Im Bund stieg die Quote von 6,1 auf 6,2 Prozent. Wie schwer der Arbeitsmarkt von den Corona-Auswirkungen bereits in Mitleidenschaft gezogen wurde, zeigt indes der Blick auf die Vorjahresdaten. Verglichen mit Juni 2019 wuchs die Zahl der Arbeitslosen an der Saar um 25 Prozent. Das sind 8.069 Arbeitslose mehr als noch im Juni 2019. Im Bund betrug der Anstieg sogar 28,7 Prozent.

Ohne das bewährte Instrument der Kurzarbeit wäre die Situation sogar noch deutlich dramatischer. Viele Unternehmen versuchen darüber ihre wertvollen Fachkräfte zu halten. Deshalb sind auch die Anzeigen zur Kurzarbeit seit Ausbruch der Corona-Krise deutlich in die Höhe geschnellt. Von März bis Juni haben bei der Arbeitsagentur mehr als 11.000 Betriebe für fast 154.000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Das entspricht beinahe 40 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Saarland. Wie viel davon tatsächlich realisiert wird, hängt u.a. davon ab, wie gut den Unternehmen das Wiederanlaufen ihrer Geschäftstätigkeit in den kommenden Wochen und Monaten gelingt.

Dessen ungeachtet überlagern die Corona-Auswirkungen die zuvor schon schwache Konjunktur und die strukturellen Probleme in Teilen der Saarindustrie. Wie stark der Druck auf dem Saar-Arbeitsmarkt auch ohne Corona bereits lastet, zeigt beispielsweise der Ländervergleich. Im Laufe der letzten Jahre hat das Saarland hier kontinuierlich an Boden verloren. Aktuell weisen nur noch sechs Bundesländer eine höhere Arbeitslosenquote auf. Spitzenreiter unter den Ländern bleibt Bayern mit einer Quote von 3,9 Prozent. Schlusslicht ist unverändert Bremen mit 11,6 Prozent.

Die einzelnen Teilsegmente des Arbeitsmarktes zeigten im Juni ein uneinheitliches Bild. So verharrte die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen im Saarland bei 6,9 Prozent. Deutschlandweit stieg sie von 5,8 auf 5,9 Prozent. Gleichgerichtet verlief dagegen die Entwicklung der Arbeitslosigkeit älterer Menschen. Die Quote der 55 bis unter 65-Jährigen stieg hierzulande von 6,3 auf jetzt 6,4 Prozent. Im Bund von sechs auf 6,1 Prozent. In die gleiche Richtung, allerdings stärker, bewegte sich die Ausländerarbeitslosigkeit. Die Quote arbeitsloser Ausländer stieg an der Saar von 22 auf 22,3 Prozent und im Bund von 14,9 auf 15,3 Prozent. Am Gesamtbild ändert sich aber nichts: In allen drei Teilsegmenten des Arbeitsmarktes hinkt das Saarland dem Bund mehr oder weniger deutlich hinterher.

Die Corona-Krise wirkt sich auch auf die Arbeitsplatzentwicklung aus. Dabei verstärkt sie einen bereits bestehenden Trend. Zwar ist sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im April (neuere Daten liegen noch nicht vor) gegenüber März nur leicht gesunken und mit rund 388.000 Beschäftigten liegt sie hierzulande nach wie vor auf einem hohen Niveau, doch war bereits seit Mitte 2019 eine deutliche Abschwächung beim Beschäftigungsaufbau feststellbar. Nun aber zeigt der Vorjahresvergleich einen deutlichen Beschäftigungsrückgang. Gegenüber April 2019 liegt das Saarland im Ländervergleich mit einem Minus von 1,1 Prozent auf dem vorletzten Platz. Schlechter verlief die Entwicklung nur noch in Thüringen. Im Bund insgesamt steht dagegen wenigstens noch ein Plus von 0,1 Prozent zu Buche.

„Corona hinterlässt immer tiefere Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit ist im Juni den dritten Monat hintereinander gestiegen und liegt jetzt rund ein Viertel über ihrem Vorjahreswert. Positiv ist, dass über die Kurzarbeit zahlreiche Unternehmen ihre Mitarbeiter in Beschäftigung halten. Das erklärt auch, warum das Beschäftigungsniveau mit 388.000 noch vergleichsweise hoch ist. Trotz der Lockerungen der Corona-Beschränkungen und der in Bund und Land beschlossenen Unterstützungsmaßnahmen dürfte die Arbeitsmarktentwicklung auch im weiteren Jahresverlauf angespannt bleiben. Denn der Weg aus dem Konjunkturtal wird angesichts der anhaltenden Bedrohung durch das Corona-Virus länger werden als wir uns das wünschen.“ So kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Heino Klingen die heute von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit vorgelegten Arbeitsmarktzahlen.

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