Folge 8: Kreativ. Konsequent. Kollektiv.
Die Kulturmission von Janis Mudrich
Thomé: Willkommen zu Deep Dive Wirtschaft, Trends, Technologien und Transformation im Saarland. Mein Name ist Frank Thomé und ich bin der Hauptgeschäftsführer der IHK des Saarlandes. Heute habe ich wieder einen ganz besonderen Gast in meinem Podcast. Viele kennen ihn im Saarland mit seinen zahlreichen Aktivitäten. Er ist seit vielen Jahren, man kann sagen, eine feste Größe der saarländischen Kulturszene. Er ist Vorsitzender des Vereins “Sektor Heimat“, zugleich auch Geschäftsführer der “Kulturgut Ost GmbH”, die eine große Vision am Saarbrücker Osthafen realisieren. Was es damit alles auf sich hat, darüber wollen wir heute reden. Ich selbst konnte mir schon mehrfach ein Bild von diesem tollen und wirklich besonderen Ort machen, aber auch von ihm und seinem Team. Und ich muss wirklich sagen, ich bin wirklich sehr beeindruckt zu sehen, mit wie viel Energie, Leidenschaft, mit wie viel Herzblut hier vorgegangen wird. Da entsteht gerade wirklich etwas Großartiges am Osthafen. Insofern bin ich jetzt schon sehr gespannt und freue mich auf das Gespräch mit Janis Mudrich. Herzlich willkommen zum Deep Dive Wirtschaft.
Mudrich: Vielen Dank für die Einladung.
Thomé: Janis, ungewöhnliche Frage direkt vorab. Wann bist du heute aufgestanden? Wann hat dein Wecker geklingelt?
Mudrich: Der Wecker hat geklingelt um 4.50 Uhr und aufgestanden bin ich um 5.
Thomé: Ich bin nämlich gerade auch mit so vielen Menschen im Kontakt und habe auch schon eine Veranstaltung zum Thema gemacht. Was machen erfolgreiche Menschen wirklich aus? Und das ist total beeindruckend für mich zu sehen, dass es so viele starke Parallelen gibt bei erfolgreichen Menschen in ganz unterschiedlichen Bereichen. Und eine davon ist wirklich dieses frühe Aufstehen. Welche Bedeutung hat für dich ein strukturierter Tag, der auch früh anfängt?
Mudrich: Ja, ich glaube, was ich zu schätzen gelernt habe, je mehr Verpflichtungen und auch fremdbestimmte Termine dazugekommen sind und auch, da ich aus einer Branche komme, wo auch oftmals, jetzt nicht mehr so wie früher, aber schon auch immer noch ab und zu abends auch noch sehr lange das Telefon klingelt, diese Zeit zwischen fünf und sieben ist so der komplette Ruhepol, kann ich sagen, wo ich mich auf irgendeine Tätigkeit, die ich meistens dann auch erst einen Tag vorher oder an dem Tag entscheide, vollends konzentrieren kann. Das kann etwas Kreatives sein, das kann auch irgendwie eine Steuererklärung sein oder Mails beantworten. Aber generell ist es so, dass das für mich persönlich einfach ein zeitlicher Vorteil ist.
Dazu kommt natürlich, dass das Team mittlerweile ziemlich groß ist, was am Osthafen wirkt. Und da sind Leute dabei, das ist jetzt gar nicht wertend gemeint, sondern die kommunizieren das auch so, die brauchen klare vorgegebene Aufgaben, klare vorgegebene Strukturen. Die wollen keine Entscheidung treffen. Die sagen einfach, das liegt ihnen nicht. Und dementsprechend ist es natürlich auch so, dass wenn ich mir morgens die Zeit nehme und den Tag nach Prioritäten sortiere und in verschiedene Slack-Gruppen und was wir da alles nutzen, irgendwie dann Aufgabengebiete schicke, dann weiß ich halt auch, es kommt zu keinem Verzug. Die Leute kommen, die gucken da einmal rein und wissen genau, was wichtig ist. Und dadurch kann ich auch noch auf tagesaktuelle Dinge vielleicht reagieren, die mir gerade erst einfallen oder die ich gerade erst per E-Mail bekommen habe. Ja, ich glaube, wenn man vor allem auch noch Dinge wie Training am Tag unterbringen möchte oder Sachen, auch wenn es Hobbys sind, dann muss man irgendwo anders sich diese Zeit schaffen, sonst wird es nicht mehr funktionieren. Und ich habe das beschlossen, irgendwie mit damals meinem sportlichen Alltag frühmorgens zu verbinden und kann mir auch nichts anderes mehr vorstellen.
Es ist nicht schön morgens, aber wenn ich einmal wach bin und den ersten Espresso drin habe, dann läuft es.
Thomé: Janis, bevor wir über eure Vision sprechen, über das, was ihr alles so Tolles am Osthafen vorhabt, will ich den Fokus erstmal auf dich als Person legen. Jetzt kennen wir uns ja schon etwas länger und ich habe, kann ich wirklich sagen, wenig Menschen getroffen, die ein solch hohes Energielevel haben und die so viele Handlungsstränge, Aktivitäten auch parallel nach vorne bringen. Was genau treibt dich eigentlich persönlich an, um dich so stark, wie du es tust, zu engagieren?
Mudrich: Na ja, ganz von oben betrachtet bin ich auf jeden Fall überzeugter Saarbrücker und stadtliebender Saarländer oder bundeslandliebender Saarländer und bin jetzt erstmal davon überzeugt, dass man an dem Ort, an dem wir uns befinden, mit den Möglichkeiten, mit dem Team und auch mit den Fähigkeiten, die ich so um mich rum sehe und die wir dort miteinander vereinen können, dann sind wir, glaube ich, jetzt mal ganz grundsätzlich in der Lage, dort was ziemlich Einzigartiges zu schaffen. Das ist schon Motivation genug, denke ich mal, vorneweg. Ja, sonst hat sich das irgendwie zu einer Art Lebensaufgabe entwickelt, dort einfach zu wirken und auch so viele Leute wie möglich ins Boot zu holen, die Personen als solche auch irgendwie von ihren eigenen Talenten zu überzeugen, die sie vielleicht bisher noch nicht entdeckt haben. Und ja, das ist so mein tägliches Tun eigentlich.
Thomé: Was würdest du sagen, sind so die prägenden persönlichen Eigenschaften, die du einfach mitbringst, um das Ganze zu einem Erfolg zu machen?
Mudrich: Mir wurde mal gesagt, ich hätte eine hohe Resilienz, nennt man es, glaube ich. Also ich glaube, es gibt immer für alles eine Lösung, für wirklich alles, alles, alles. Das ist dann vielleicht nicht immer eine optimale Lösung, aber zumindest so, dass es weitergeht. Ich bin leidensfähig, würde ich sagen, und verlässlich.
Thomé: Jetzt weiß ich, dass du früher auch intensiv Kampfsport betrieben hast, “Brazilian Jiu-Jitsu” und das auf professionellem Level. Das stelle ich mir jetzt extrem diszipliniert, vom Tagesablauf, auch sehr strukturiert vor. Du hast aber parallel damals auch schon Partys organisiert in Saarbrücken. Wie hast du das alles unter einen Hut gebracht?
Mudrich: Ja, genau die Komponente hat das Ganze dann auch oder hat dann dazu geführt, dass sich die beiden Leben ein wenig voneinander abgespalten haben. Also man war dann irgendwie bis nachts auf irgendeiner Party unterwegs. Glücklicherweise muss ich jetzt aber auch dazu sagen, hatte ich schon immer Nachtmanager oder Nachtmanagerinnen, die dann so bis tief in die Morgenstunden alles geregelt haben. Ja, sonst war das Leben eigentlich zu 80 Prozent auf Kampfsport ausgerichtet. Nebenbei noch Studium.
Ja, gab es wenig Privates, Soziales. Ja, und irgendwann musste man sich ein bisschen entscheiden. Und dann habe ich mich halt für diese vollblutberufliche Karriere entschieden. Ich bin immer noch aktiver Sportler, aber jetzt nicht mehr so wettkampffokussiert wie früher.
Thomé: Aber was würdest du sagen, ich meine, das war ja schon eine Zeit mit dem Kampfsport auf Wettkampfniveau, die dich sicher sehr geprägt hat. Was würdest du so sagen, sind so die Eigenschaften, die dich als Kampfsportler erfolgreich gemacht haben, die dir in der jetzigen Situation bei dem, was du heute machst, auch helfen?
Mudrich: Ich habe aus einer sehr unzufriedenen persönlichen Situation mit Kampfsport angefangen. Ich bin mit keinem Talent gesegnet worden. Ich kann kein Rückwärtssalto aus dem Stand. Ich kann nicht gut zeichnen. Es gibt ja so Leute, die wissen einfach schon von vornherein, was sie wollen, weil die nehmen was in die Hand und man denkt, du darfst nie wieder was anderes machen. Bei mir war das gar nicht vorhanden. Und ich habe mich irgendwie damals tatsächlich durch “googeln” mit möglichst harten disziplinären Maßnahmen versucht, irgendwie auf eine Bahn zu bringen, nach der ich gesucht habe. Es war dann tatsächlich so, dass ich zum ersten Mal so ein richtiges Talent in dieser Bodenkampfsportart an mir selbst wahrgenommen habe, was mich unfassbar motiviert hat. Und ich habe daraus gelernt, auf alles andere dann zu verzichten, was mich von diesem Weg abbringt. Und ich glaube, dieses verzichten können auf viele Dinge, um zu einem Ziel zu kommen, ist das, was ich am allermeisten mitgenommen habe. Es spielt keine Rolle, wie früh es ist, wie sehr es wehtut, wie viel Hunger man hat, was man alles verpasst, vermeintlich an großartigen Partys, die dann doch nur ohnehin die nächste sind und am Wochenende kommt eh wieder die nächste, Aber viele Leute leben ja vom einen ins nächste Wochenende.
Und der ganze Weg des Kampfsportes war mit so viel Dopamin und natürlich dann auch Erfolgserlebnissen ab dem gewissen Zeitpunkt ausgestattet, dass ich mir gedacht habe, okay, wenn ich das hier so hinbekomme, ich spüre eigentlich das Gleiche bei meiner Tätigkeit, an der ich schon so ein bisschen dran war, aber es war jetzt noch nicht so groß wie jetzt. Dann habe ich alle Eigenschaften von da einfach mit rüber genommen und versuche so auch das Team zu leiten.
Thomé: Erfolg kommt oft nicht immer alleine, sondern im Team. So, was würdest du sagen, es ist ein “People-Business”, es ist immer menschengetrieben, es hängt von einzelnen Menschen auch ab. Man braucht natürlich einen, der Dinge vorgibt, der auch Struktur vorgibt, davon hast du gerade gesprochen. Aber was macht den Erfolg sozusagen von Janis Mudrich aus, inwieweit spielt er und das Team auch noch eine große Rolle?
Mudrich: Ich glaube, das ist zu 100 Prozent davon abhängig. Also ich hatte ja schon mal im Vorgespräch erwähnt, ich glaube schon, dass auch irgendwas anderes aus mir noch im Leben geworden wäre. Aber die Position, an der ich jetzt stehen darf, für die ich natürlich auch selbst arbeite, die ist trotzdem nur entstanden, weil um mich rum auch Leute genauso viel arbeiten wie ich, die daran glauben, dass meine Version oder mein Versprechen, wo wir eventuell mal hinkommen könnten, wahr werden wird.
Dass das Vertrauen daran so hoch ist, dass die genauso viel arbeiten wie ich. Natürlich ist jeder ersetzbar, das steht außer Frage. Das muss, glaube ich, auch so sein, inklusive mir selbst. Es darf ja nicht so sein, dass ein Projekt dieser Größe von einer Person abhängig ist. Aber ich glaube, wenn es dann von 95 Prozent erfolgreich zu 98 oder sogar zu 100 springt, dann muss es wirklich so sein, dass so die richtigen Köpfe aus irgendeinem Grund zur richtigen Zeit zusammensitzen, und das ist am Osthafen der Fall.
Thomé: Wenn jetzt Leute über den Osthafen reden, dann fallen immer wieder Begriffe wie “Silo”, “Sektor Heimat”, “Kulturgut Ost”. Vielleicht beschreibst du mal ganz kurz, was da so der Zusammenhang ist.
Mudrich: Ja, das treibt uns wirklich auch in den Wahnsinn. Es gibt schon wirklich mehrere Organigramm-Präsentationen, die sich nur damit befassen.
Also das sind mal grundsätzlich zwei Gebäude. Und in dem einen Gebäude, das etwas schmalere würde ich jetzt sagen, das ist das Silo. Und das Silo ist die Geburtsstätte von allem, was wir da tun und ist ein reines Veranstaltungs-, ein privatwirtschaftliches Veranstaltungsobjekt. Dort gibt es das Café, dort gibt es einen Nachtclub, den wir jetzt nicht mehr führen. Den haben wir vor fünf Jahren an eine nächste Generation abgegeben. Aber wir sind noch im Café verbandelt und das ist praktisch unser tägliches Brot, kann man sagen.
Und nebendran gibt es das “Rhenania-Gebäude” und da gibt es einen flachen und einen hohen Trakt. Und dieser flache Trakt ist der “Sektor Heimat e.V.”, Kulturveranstaltungen und so der Freigeist des Ortes, würde ich sagen. Soll auch nach uns irgendwann mal wieder junge, motivierte Leute anziehen, sich dort selbst zu verwirklichen und wird auch in dem Entwicklungsprojekt klar getrennt von Kulturgut Ost. Kulturgut Ost ist dann, wie gesagt, dieser große Gebäudeentwicklungsaspekt und jetzt mittlerweile natürlich auch die Dachmarke. Also ich würde jetzt sagen, der Sektor Heimat und das Silo stehen im Kulturgut Ost, kann man sagen. Aber es soll später, das ist auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt unserer Planung, schon so sein, dass die Kulturgut Ost GmbH dieses große Projekt und Gebäude entwickelt und dass aber der Sektor Heimat e.V. weiterhin diesen kleinen flachen Teil bewirtschaftet, um eben einer neuen Generation an verrückten Vereinspeoples nicht direkt diese Knarre in den Nacken zu setzen und sagen, ey, denkt an die Rückzahlung hier und denkt an das. Sondern die sollen mit genau dem gleichen Freigeist nochmal an alles rangehen. Vielleicht sagen die auch, ´was ihr in den letzten zehn Jahren gemacht habt, das ist der totale “Mumpitz”. Wir reißen wieder alles ab und fangen hier nochmal neu an und machen viel mehr Klassikmusik statt Jazz und machen viel mehr das statt das`. Und dann ist es auch völlig in Ordnung. Wir sind ja irgendwann auch in einem Alter, wo wir gar nicht mehr genau wissen, was so trendgemäß ist. Aber dann sind wir drüben im Kulturgut Ost und wissen, okay, wir machen hier unseren Kram und bitte seid nicht zu laut.
Thomé:Was habt ihr denn im Rhenania-Gebäude ganz konkret vor? Was soll da alles auf den acht Stockwerken passieren?
Mudrich: Ja, also wenn man es irgendwie jetzt in einem Begriff erklären müsste, würde ich sagen, es soll ein “kulturell genutztes Kreativwirtschaftszentrum mit Möglichkeiten für Nachwuchs und inklusiven Projekten” sein.
Auf gut Deutsch haben wir praktisch alle acht Etagen entsprechend dem Bedarf der letzten Jahre versucht zu bestücken. Da gibt es Proberäume, Ateliers, Werkstätten, eine Etage für Sport und Gesundheit, gemeinnützige Tätigkeiten, gastronomische Tätigkeiten, klassische Büronutzungen auch von Menschen, die dann das gute Gewissen der Bank als Ankermieter:Innen bilden sollen. Und ja, letztendlich das, was so zehn Jahre am Osthafen an uns herangetragen worden ist, was denn cool wäre, wenn es in Saarbrücken oder im Saarland stehen würde oder was denn hier stehen müsste, damit man das Saarland nicht verlässt. Das ist ja entsprechend der Jugendflucht der viel wichtigere Punkt. Das haben wir zusammen gebündelt und in ein Gebäude namens Rhenania gepackt. Ein Zentrum für alles.
Thomé: Wenn du jetzt sagst Zentrum für alles, dann frage ich mich immer auch, wenn ich jetzt da als Spaziergänger entlangkomme. Habe ich da irgendeine Chance reinzukommen?
Mudrich:Generell kann sich das ohnehin, denn das oberste Credo am Osthafen ist das jeder vorstellig werden oder sich melden kann, der irgendeine Idee hat, irgendetwas zu tun.
Ja, von, wir machen jetzt eine Tierschutzveranstaltung dieses Jahr, oder was mit dem Staatstheater etc., also es kann jede Person mit einer Idee erstmal zu uns kommen und auch jede Person kann anfragen, ob er da ansässig werden kann. Und abgesehen vom Dach, das soll sowieso frei begehbar bleiben, bestenfalls, wenn wir es rechtlich hinbekommen. Die Sicht ist einzigartig und soll jedem zugänglich sein, ohne was bei uns konsumieren zu müssen oder ansässig zu sein.
Thomé: Kann ich da einfach mit meiner Picknick-Decke kommen und mich da hochsetzen?
Mudrich: Genau, natürlich wird es Zeiten geben, wo das der Gastronomie zugeordnet wird oder sonntagmorgens ist dort oben, keine Ahnung, SR-Martiné, oder ähnliches. Aber das soll zu den normalen, in “9-to-5-Zeiten”, soll es völlig frei begehbar sein. Barrierefrei, sodass da einfach Leute hochgehen können, Fotos schießen können. Ausblick ist gigantisch, das sollte nicht exklusiv nutzbar sein.
Thomé: Wenn ich jetzt Gespräche auch führe im Saarland -und da kommt es auf das, was ihr da so alles am Osthafen macht - dann sind alle voll des Lobes, alle schwärmen und das sieht von außen betrachtet so ein bisschen aus, als ob alles, was du, was ihr so anpackt, auch erfolgreich wird. Und ist das so oder gibt es auch Dinge, wo du sagst, da bin ich mal gescheitert? Du hast eben gesagt, du bist auch besonders resilient. Wie gehst du denn damit um, wenn mal was nicht klappt?
Mudrich: Also wir scheitern täglich an irgendwas. Ich habe mal so einen Spruch gehört, der trifft auf uns ganz gut zu. Wir scheitern halt schon öfter, als es andere Menschen alleine nur probieren. Also die Quote, dass Dinge halt irgendwann klappen, ist nur eine logische statistische Konsequenz. Die Pipeline gefüllt halten. Natürlich wird man viel geübter. Man hat einfach jeden Fehler gemacht, den man mal machen kann. Und das Team wird halt einfach größer. Und die Fähigkeiten, die sich da mittlerweile heraus zeichnen, ist einfach so, dass man für jedes mögliche Problem einen Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin im Team hat. Und logischerweise mache ich Dinge auch einfach nicht mehr selbst, wo ich dreimal einen Fehler gemacht habe.
Ja, deswegen muss man sich da einfach auch grundsätzlich mal seiner Stärken und Schwächen bewusst sein und dann passieren Fehler eigentlich nur, weil die Kommunikation nicht stimmt oder weil man einfach den Fakten davor vielleicht ins Auge geblickt hat und hofft, dass es irgendwie gut geht. Viele Leute machen meiner Meinung nach Projekte und hoffen, dass sie gut gehen. Das gibt es bei uns nicht, dank mancher Mitarbeiterinnen, die sagen, sowas kommt uns nicht in die Tüte. Naja, aber wir scheitern oft an Projekten. Wir gucken halt natürlich nicht, dass wir richtig große Fehler begehen, aber das könnte ich ja jetzt jedem erfolgreichen, in Anführungszeichen erfolgreichen Unternehmer oder Unternehmerin genauso sagen. Machen die auch nicht, sonst werden sie ja nicht erfolgreich.
Thomé: Jetzt ist mir aufgefallen, auch bei meinen Besuchen vor Ort, dass du nicht nur selbst voller Leidenschaft bist, die aus jeder Faser rauskommt. Das ist auch bei deinem Team total ausgeprägt. Und da muss ich wirklich mal fragen, wie schaffst du das, dass du auch das Team so bei der Stange hältst, dass du dort auch diese Leidenschaft entfachst, auch in den letzten Jahren schon, in denen es wahrscheinlich jetzt nicht nur um Geld gegangen ist. Wie schaffst du da diese intrinsische Motivation hochzuhalten?
Mudrich: Also man muss sagen, die Leute, die jetzt bei uns in irgendeiner tragenden, führenden Position sind, die sind übrig geblieben. Also es ist jetzt nicht so, dass jeder, der zu uns kommt, mit mir klarkommt, mit der Arbeitsweise klarkommt, mit dem Pensum klarkommt oder auch dann direkt die Kirsche auf der Sahne ist. Und das ist natürlich auch immer ein Prozess. Die Leute, die jetzt bei uns sind und da mitwirken, hatten das schon in sich. Ich habe das vielleicht rausgekitzelt und auch viele Leute immer wieder bis heute davon überzeugt, dass sie Dinge können. Also es gibt für mich gar keinen Grund, warum jemand was nicht kann. Gibt es generell nicht. Also ich würde niemals jemandem sagen, das kannst du nicht, nur weil er eventuell nicht die Ausbildung hat. Gut, vielleicht wenn er jetzt am offenen Herzen operieren soll, würde ich das schon sagen. Aber so generell das, was wir tun, ein Projekt zu entwickeln oder Veranstaltungen durchzuführen oder Workshops oder was auch immer es ist, davon bin ich überzeugt, dass jeder Mensch zu viel mehr in der Lage ist. Und ich glaube, dadurch, dass ich das schaffe, bei vielen rauszukitzeln, entwickeln die dann selbst auch einfach plötzlich so eine Motivation und denken, ja, die haben Erfolgserlebnisse. Eigentlich versuche ich das jeden Tag sogar mit den Leuten irgendwie hinzubekommen.
Thomé: Du hast eben gesagt, hohes Pensum. Also ihr gebt euren Kunden, den Leuten, die zu euch kommen, eine gute Zeit mit allem, was ihr tut. Aber dahintersteckt ganz viel harte Arbeit. Wie stehst du zum Thema Führung? Gerade in dieser Kunst, also Kultur, Kreativitätsszene. Wie würdest du dich als Führungsperson beschreiben?
Mudrich: Ich bin auf jeden Fall streng. Ich habe einen sehr hohen Anspruch, muss ich sagen. Den ich aber auch mit allem, was ich besitze und leisten kann, zurückgebe. Immer, zu jeder Zeit, jedem Mitarbeiter, jeder Mitarbeiterin gegenüber, in jeder privaten oder beruflichen Situation. Keine Ahnung. Ich würde auch sofort jetzt den Laden heute schließen, wenn jemand irgendwie Hochwasser zu Hause hätte. Da müssen halt alle von uns darüber und dort helfen irgendwie. Also ich glaube, ja generell ist das Arbeitspensum bei uns einfach auch so hoch, weil das ja insgesamt sehr viele Firmierungen und Unternehmen und Projekte sind, die da parallel laufen und die Leute denken, ja da findet mal eine Veranstaltung statt, aber da finden dann ja auch noch 10.000 Termine statt und Projektplanung und so. Bei uns gibt es zum Beispiel keine Urlaubstage oder so was. Also da steht einfach nur ein Endlichkeitszeichen im Arbeitsvertrag. Die Leute müssen wissen, wie viel Urlaub sie brauchen oder machen wollen. Ich bin sehr dankbar, wenn sie es nicht in der Hochsaison machen, aber das wissen die alle auch von selbst. Heißt, wenn einer sagt, ´hey, hartes Jahr, ich bin jetzt sechs Wochen weg, alles ist geregelt, Übergabensliste, wenn nicht, melde dich bei dem, der vertritt mich da und da´,- Go for it! Die Leistung ist so exorbitant gut von allen bei uns im Team.
Dass die auch das Gefühl haben sollen, dass die da gerne hinkommen, also es muss sein, als wäre eigentlich auch das Urlaub, nur dass man halt dabei noch irgendwie coole, produktive Dinge tut. Ich glaube, das ist auch so ein Ding, nur weil wir sehr produktiv den Tag über sind, heißt das ja nicht, dass wir uns zu irgendeiner Arbeit theoretisch zwingen müssen. Natürlich gibt es immer wieder ätzende Aufgaben, keine Ahnung, eine Steuerprüfung ist nicht geil. Aber da muss man halt durch und das gehört dazu und das ist auch völlig in Ordnung, dass das so ist und es gibt und das macht den Leuten nochmal klar, ihr seid an einem sehr dankbaren Ort, mit sehr dankbaren Freunden und Freundinnen um euch rum, die auch noch eure ArbeitskollegInnen sind, seid euch dem jeden Tag bewusst einfach. Also egal, auch wenn es mal wenig Geld gibt oder wenn es mal scheiße läuft, Ihr seid von eurem Lifestyle ganz weit da oben gelandet. Nicht vom Kontostand unbedingt, aber von dem, was ihr täglich tun dürft, wie viel Lob ihr bekommt. Das ist doch das Größte, was man im Leben erreichen kann. Und es macht euch noch Spaß dabei.
Thomé: Also ich glaube, das ist ein richtig toller Impuls, das Leben und das, was man täglich tut, auch mit Dankbarkeit zu erfassen und dem so zu begegnen. Janis, kommen wir mal zur Vision hinter Kulturgut Ost. Der Osthafen der Zukunft. Wann habt ihr eigentlich damit angefangen? Die erste Idee zur Entwicklung des Osthafens, wie ist die entstanden?
Mudrich: Ja, einer unserer, wie nennt man das, Ratsältesten, der auch das Café Thonet in Saarbrücken gegründet hat, der hat irgendwie sehr früh Potenzial in dem Ort erkannt und hat sich dort angesiedelt, noch so in etwas künstlerischem, sehr sympathischem Chaos, was da dann geherrscht hat. Und letztendlich war es dann so, dass wir das als Team irgendwie Stück für Stück professionalisieren konnten, dann aber natürlich schnell gemerkt haben, dass so eine reine Feier- und Veranstaltungskomponente nicht das ist, was einen intrinsisch befriedigt. Also es ist dann cool, dass man das schafft, tausend Technoleute hinzuziehen, aber es gibt halt auch noch andere Zielgruppen, andere Gesellschaftssichten, andere Altersklassen und der Ort ist so groß, dass wir schon eh und je tatsächlich gesagt haben, der muss irgendwann mal so für alle was bieten können.
Ja, und dann war uns relativ schnell klar, dass wir das irgendwie unter den Leuten, die jetzt schon ein paar Jahre zusammenwirken, halt nur in einer demokratischen Struktur hinbekommen. Deswegen haben wir den Verein gegründet. Und mit dem Verein und der temporären Nutzungserlaubnis, haben sich neue Möglichkeiten aufgetan, einfach auch räumlicher Natur. Und dann haben wir plötzlich ein Theaterfestival gemacht und dann kam Jazz dazu. Vielleicht haben wir gemerkt, es kommen die ersten Leute Ü50, Ü60 und der Ort hat eh irgendwie einen gewissen Magnetismus auf Leute in Saarbrücken. Ja und dann, glaube ich, haben wir den klugen Schritt gemacht, unsere eigenen Vorlieben oder Interessen mal nach hinten zu schieben. Und bis heute hinterfragen wir uns sehr oft, ist das jetzt cool, weil wir das mögen oder ist das cool, weil wirklich auch andere Leute hier hinkommen und können wir irgendwas zur Gesellschaft beitragen?
Thomé: Ja, offenbar habt ihr ja auch andere überzeugt. Ich meine, starke Ideen, guter Plan ist immer eine notwendige Basis, um die Vision auch umzusetzen. Aber davor gab es ja auch erstmal einen Vergabewettbewerb 2021-22, bei der Stadt Saarbrücken für das Rhenania-Gebäude. Und da habt ihr euch durchgesetzt. Und jetzt muss man ja sagen, es gab auch noch ein anderes Angebot im Wettbewerb, bei dem deutlich höhere Investitionen geplant waren. Womit hat euer Konzept im Wettbewerb überzeugt? Was macht es aus?
Mudrich: Ja, ich glaube, wir hatten den Vorteil gegenüber dem Mitbewerber, dass das, was wir dort präsentiert haben oder das, was wir eingereicht haben, basierte auf dem tatsächlichen Bedarf, der über die letzten sieben, acht Jahre an uns herangetragen worden ist. Also wir haben uns das nicht aus den Fingern gezogen, was wir in diesen Stockwerken machen wollen, sondern da waren zig Leute, die Proberäume gesucht haben, also haben wir gesagt, okay, hier wäre es cool, eine Proberaumetage zu haben. Es gab mittlerweile soziale, befreundete Träger, mit denen wir zusammenarbeiten, wie jetzt die “Lebenshilfe Obere Saar” als Beispiel, die dann gesagt haben, oh, es wäre so schön, hier mal mittendrin was zu machen. Okay, also wussten wir eine Etage wird für sozialer Gemeinnützigkeit. Und so ging das halt weiter. Und irgendwann ist das Konzept relativ von selbst entstanden. Wir haben es nur irgendwie in eine schöne Form gepackt.
Und ich will gar nicht sagen, dass das Konzept von den Mitbewerbern nicht vielleicht auch funktioniert hätte. Ich glaube nur, dass alles, was dort passiert ist, organisch gewachsen ist. Wir haben mit 500 Euro in Paletten angefangen, jetzt zu einem großen Immobilienprojekt. Und ich glaube, es ist wichtig, dass so was nicht zu konstruiert wirkt, damit es glaubhaft bei den Leuten bleibt. Und ich glaube, das wäre bei dem anderen Projekt passiert. Also man muss irgendwie, keine Ahnung, auch in der Subkultur mal unterwegs gewesen sein, auch gerne in der Hochkultur, aber bestenfalls in beiden Welten und irgendwie alles mal kennengelernt und sich dort auch vielleicht schon einen Namen verdient haben, damit die Leute einem das abnehmen, so ein Projekt zu leiten. Weil das Schlimmste oder das Schwierigste wird bei der ganzen Nummer dieser Spagat von dieser urbanen, lebhaften, unabhängigen Szene, die da jetzt so angesiedelt ist, die wir auch halten wollen und die wir auch befeuern mit manchen Events, plus gepaart mit sehr seriöser Kreativwirtschaft und einer Bank, die ihr Geld zurückhaben will.
Thomé: Ja, ich kann mir das gut vorstellen. Organisch entstanden, sehr hohe Authentizität. Das klingt wirklich nach einem tollen Ansatz, demokratischer Ansatz, inklusiv mit einer sehr, sehr hohen Nutzungsvielfalt. Aber wie du auch gerade schon gesagt hast, am Ende bleiben ja hohe Umbaukosten. Da werden auch Banken mitreden und die kalkulieren. Die lassen sich jetzt nicht alleine mit einem demokratischen Ansatz, mit einer hohen Nutzungsvielfalt überzeugen. Da braucht man schon einen stabilen Business Case. Und das habe ich in eurem Konzeptentwurf auch gelesen, dass kulturelle, kommerzielle Aspekte Hand in Hand gehen. Wie genau funktioniert das?
Mudrich: Ja, also ich bin überzeugt davon, dass, wenn auch gut betuchte Unternehmer in diesem Gebäude ansässig sind, die aber irgendwie halt vielleicht eine Familie mitbringen zum Beispiel, dass dort generell die Mischung aus vielen verschiedenen Menschen und Tätigkeiten nachher so besonders ist, dass die Leute auch bereit sind, dafür was zu zahlen und gleichzeitig auch noch Projekte, die es sich nicht leisten können, halt eben damit unterstützen. Das ist nachher ja trotzdem am Ende des Tages eine Summe X die pro Jahr zurückfließen muss und entweder die leuchtet halt bei Excel grün auf oder wenn dein Durchschnittszins zehn euro ist und du holst halt, da acht beim einen und dafür da aber zwölf beim anderen, dann geht es ja schon auf. Das ist ein solidarischer Ansatz, der funktioniert, weil es halt auch, glaube ich, transparent ist für alle und da weiß jeder, wofür er sich einlässt und dass er dann auch, ich sage mal, solchen Nutzungen dann überhaupt mal Raum gibt, die vielleicht sonst viel zu teuer sind.
Thomé: Wenn ich an Proberäume denke für junge Bands, hat sich ja mittlerweile auch Saarbrücken, das Saarland in Richtung entwickelt, die können sich das ja gar nicht mehr leisten.
Mudrich: Korrekt.
Thomé: Janis, jetzt würde mich mal bei einem Thema deine Meinung interessieren, um das sich viele meiner Gespräche dreht, und zwar das Thema Standortattraktivität. Also was sind die Faktoren, die unseren Standort attraktiv machen, die das Saarland lebenswert machen, die vielleicht auch Fachkräfte, Arbeitskräfte im Allgemeinen dazu bringen, sich für das Saarland zu entscheiden? Inwieweit siehst du Kultur, Kreativwirtschaft auch als Standortfaktor für unser Saarland?
Mudrich: Ja, also generell natürlich geografisch gesehen könnte es, finde ich, kein Bundesland geben, was besser liegen kann irgendwie. Wir können von mancher Stelle vielleicht sogar, weiß ich nicht, einen Kirchkern nach Frankreich spucken, so nah ist es. Luxemburg ist direkt um die Ecke. Natürlich haben wir auch umliegende, starke Bundesländer. Aber das Potenzial des Saarlandes wird, habe ich das Gefühl, immer von außen schon so schlechtgeredet, dass die Leute innen vergessen, dass es eigentlich nicht so sein muss.
Ich glaube, wir sind auf sehr kompaktem Raum, sehr, sehr qualitativ hochwertig in manchen Aspekten, sowohl in innovativen Tätigkeiten, wenn man jetzt so von Unternehmen spricht, als auch in kulturellen Aktivitäten und vor allem auch in subkulturellen Aktivitäten. Ich glaube, das Saarland hat auf kurzem oder auf kleinem Raum wirklich sehr, sehr viel in allen Sparten und in allen Bereichen zu bieten. Ich sehe nichts, wo wir irgendjemandem in irgendwas hinterherhängen.
Man kann sich darüber unterhalten, dass wir jetzt vielleicht nicht Medienhauptstadt werden, weil da Köln einfach irgendwie schon bessere Vorarbeit geleistet hat oder wir können natürlich auch wahrscheinlich nicht mit so mancher anderen Stadtkasse mithalten, die irgendwie vielleicht ein bisschen besser gewirtschaftet haben als wir oder woher auch immer unsere Haushaltslage kommt, aber generell sehe ich nichts, was hier nicht funktionieren könnte. Also ich glaube, dass die Leute sich nach irgendwie einem lebenswerten Leben grundsätzlich sehen und ich glaube, dass es Saarland dafür alles bietet und dass noch mehr Kultur und Kreativwirtschaft das nur noch intensivieren kann.
Thomé: Was ich total bemerkenswert finde und auch bei meinen Besuchen vor Ort, das ist ein zutiefst kreativer Ort, der aus sich heraus entstanden ist. Den Ort gibt es nicht deshalb, weil da irgendeiner ganz viel Geld gegeben hat, damit er entsteht, sondern er ist aus sich heraus entstanden, getragen von vielen Menschen, die von der Idee überzeugt sind und Blut-Schweiß-Tränen investiert haben. Damit alleine ist eine solch große Vision aber bestimmt nicht zu realisieren.
Wichtig ist immer auch die Politik, die das Ganze auch politisch stark begleiten muss. Da würde mich einfach mal interessieren, aus deiner Sicht macht da die Politik heute schon genug, um euch zu fördern und euch als starker Partner zu begleiten?
Mudrich: Also ich kann schon so sagen, dass ich seit drei oder vier Jahren äußerst zufrieden und dankbar bin, was für Menschen an gewissen Positionen sitzen. Und das meine ich völlig parteiunabhängig. Wir sind alle parteineutral, solange es demokratische Parteien sind.
Aber letztendlich ist es das große Problem, was ich als jemand sehe, der ein Hals-Tattoo und die Hände tätowiert hat, sehe, dass es viel zu lange dauert, dass Leute die wirklich Potenzial in sich tragen, ernst genommen zu werden, dass denen auch schnell, gerade wenn es um Investitionen geht geholfen wird. Also wir können ja um jeden dankbar sein, der Projekte im Saarland oder in Saarbrücken umsetzt und wenn dem es noch schwer gemacht wird die umzusetzen.
Wegen politische Befindlichkeiten verlieren die meisten Leute tatsächlich irgendwie den Glauben an die Politik und das kann ich auch sagen, wir haben super gute Leute verloren vor Ort, die gesagt haben, nach fünf Jahren, oh das dauert und wird wohl eh nix. Die lassen euch nachher noch fallen, weil es einfach nie zu was geführt hat aber irgendwann kam so ein Umschwung. Ich habe das Gefühl, da wurde uns zugehört und da wurden wir ernst genommen. Wir mussten uns das, wie gesagt, hart erarbeiten. Da würde ich mir wünschen, dass man einfach dankbar ist, um jede Person, die hier irgendwas, in unserem Fall zur Kultur und Kreativwirtschaft, beitragen will. Und dem sollte man, so schnell es geht, alle Türen öffnen, um das auch umsetzen zu können. Egal, ob das jetzt ein Räumchen ist, wo er wirken kann, oder eine Zwischennutzung von einem der acht Millionen Gebäude, die hier leer stehen. Wenn jemand sich das zutraut zu machen, dann besser, als dass es leer steht. Um so etwas zu realisieren, da hat man ja als Kulturschaffender jetzt nicht unbedingt eine One-Stop-Agency auf Landesebene.
Thomé: Ihr habt ja sicherlich einige Stellen, zu denen müsst ihr immer wieder eure Ideen vortragen. Auf Landesebene etwa das Kultusministerium und auch das Wirtschaftsministerium kann ich mir vorstellen. Aus deiner Sicht funktioniert da die Abstimmung zwischen den Ressorts gut?
Mudrich: Nein, also ich sage das ganz so, wie ich das sehe, das liegt aber einfach daran, dass wir das Wirtschaftsministerium haben, was sich um die Kreativwirtschaft kümmert und wir haben das Kultusministerium, was sich um die Kultur kümmert, und da gibt es unserer Meinung nach keine Grenze mehr. Wenn es die gibt, dann verschmilzt sie eh sofort. Das ist natürlich gerade bei Fördermitteln ein echtes Problem, weil das darf nicht mit dem gefördert werden. Da entsteht sonst eine Doppelförderung, dies, das, Ananas. Und ich glaube, dass dort praktisch eigentlich ein neues Glied in der Mitte entstehen müsste, was diese beiden Aspekte aus den einzelnen Ministerien irgendwie entweder kanalisiert oder sortiert oder vertritt. Ich will da ja keinem den Job wegnehmen, aber ich glaube, dass alleine mit dem Thema Bildung, wo es auch die eine oder andere Schwachstelle wahrscheinlich gibt, so viel im einen Ministerium zu tun ist und mit Innovation in dem anderen, dass es vielleicht für alle cool wäre, wenn da noch so was in der Mitte wäre, was sagt, okay, wir versuchen mal Kultur und Kreativwirtschaft unter einen Deckmantel zu bringen, gemeinsam zu kanalisieren, zu fördern, zu gucken, wie man das auch auf Bundes- und EU-Ebene einfach noch intensivieren kann.
Es geht darum eine Sichtbarkeit zu schaffen, die einen Ort hat, wo sich Leute hinwenden können und es wird ein wenig einsortiert, von welcher Größenordnung wir reden, sodass man vielleicht auch von dort ein Sprungbrett zum nächsten Ansprechpartner, zum nächsten Ministerium hat. Ich glaube, das Problem ist, dass es zu sehr verschmilzt, aber es immer noch diese Trennung gibt zwischen diesen beiden Begrifflichkeiten.
Thomé:Okay, also hier noch einmal ein klarer Impuls an einen möglichen zukünftigen Ressortzuschnitt, damit das zusammenkommt, was auch zusammengehört. Janis, an welchen Stellschrauben müsste man politisch sonst noch drehen? Also Beispiel Bürokratie, was mich bei solchen Vorhaben immer wieder umtreibt und das höre ich selbst auch in meinen Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern nahezu täglich, sind die großen bürokratischen Belastungen und Auflagen. Wie sieht es bei euch aus? Ihr müsst doch bestimmt zahlreiche Genehmigungen beibringen. Also Gastro-Genehmigungen, das Thema Brandschutz, Stellplatzverordnung und vieles weitere mehr. Wie stehst du zu diesem Thema?
Mudrich: Ja, wir sind gerade exakt von den Begrifflichkeiten, die du genannt hast, betroffen.
Ja, hier ist, glaube ich, der Feind, dass alles pauschalisiert wird. Jedes Projekt ist anders, liegt in einem anderen Gebiet, hat andere Zielgruppen, die entweder dort arbeiten oder von dem Projekt angezogen werden als Gast oder als Besucherin. Ich kann das gern sagen, das Thema Stellplätze ist zum Beispiel elend und auch unverständlich teilweise und basiert auch noch auf Gedanken des Individualverkehrs, als wirklich jede Person ein Auto hatte und irgendwo hingefahren ist. Also wie sieht Mobilität der Zukunft aus?
Thomé: Zum Osthafensee ist ja die Erreichbarkeit dort sehr, sehr gut?
Mudrich: Ja, und wir haben auch noch um uns rum, also jetzt bitte nicht auf die Quadratmeterzahl festnageln, aber von 80.000 Quadratmeter innerem Osthafenkern bestehen bereits 38.000 Quadratmeter aus Parkflächen. Das entspricht, glaube ich roundabout 48 Prozent oder so was. Daher ist es absurd, dass wir dann halt zusätzlich noch ein Parkhaus bauen sollen oder eine Tiefparkanlage. Das ist schwer für mich zu verstehen. Auf der anderen Seite sind es nun mal Gesetze. Ich mache da keinem, der mir diese Nachricht überbringt, einen Vorwurf. Also der kann ja auch nichts dafür. Ich finde halt, es werden zu wenig individuelle Lösungen gefunden und es wird einfach gesagt, ´nee, das müssen wir so machen, weil es steht irgendwo`. Das darf, finde ich, nicht sein und wird auch nur Probleme in Zukunft bereiten, weil die Flächen immer weniger werden. Man soll gleichzeitig natürlich keine Fläche mehr versiegeln und so was.
Ja, also die Auflagen sind gigantisch hoch, wir haben glaube ich das Glück, dass uns das manchmal sehr triggert, diese Aufgaben zu lösen und wir dann jetzt sagen, oh Gott, so viel Papierkram, wir haben Leute bei uns im Team, die mögen Papierkram sehr gerne und die, flattern da durch und schicken das am nächsten Tag zusammengefasst zurück und haben irgendwie drei Vorschläge, aber ich kann verstehen, dass Menschen, die sich eigentlich nur auf ihr tägliches Tun konzentrieren wollen, dass die sich halt irgendwie denken, ich werde jeden Tag von links oder rechts gerammt mit irgendwas, was ich
noch tun oder abliefern muss. Davon abgesehen ist natürlich kaum was digital möglich. Also das Ganze ist ja auch immer mit einem wirklich krassen Zeitaufwand verbunden, was vollkommener Irrsinn ist, wenn man wirklich viel zu tun hat.
Ja, also da gibt es auf jeden Fall noch super viel Optimierungsbedarf, aber das liegt nicht an mir, da jetzt die große Lösung zu haben. Wahrscheinlich gibt es auch Dinge, die ich jetzt vorschlagen würde, wo mir der erste direkte Argument sagen würde und sagen, geht nicht, weil. Also es ist vielleicht manchmal auch leicht gedacht zu denken, man wüsste es besser. Aber ich bin der Meinung, zum Beispiel bei Stellplätzen, jedes Objekt muss einzeln betrachtet werden.
Thomé: Ich brauche eigentlich keine 100 Parkplätze dort. Und ihr habt ja auch eine super ÖPNV-Anbindung. Also Bus, Römerkastell in der Nähe, E-Scooter, Fahrrad-Anbindung, ganz viele Parkplätze. Was ist eigentlich aus der Idee des Wassertaxis geworden?
Mudrich: Na, an uns liegt es nicht. Also was nicht greifbar, aber was schon konkret gedacht wird, ist jetzt erstmal diese Wasserbühne, die wir da gerne hinsetzen würden. Die spielt jedes Jahr in der Planung wieder eine Rolle, aber auch Wasserstraßen, die dem Bund gehören, sind nicht so einfach, wie man denkt. Und irgendjemand hat uns ja leider auch noch eine zu tiefe Brücke da vorn an den Ärmel gesetzt, sodass auch die Befahrbarkeit bei uns ohnehin super schwierig wäre.
Wassertaxis sind, finde ich, ein netter Gedanke. Also ich glaube, genauso wie sich Leute aufgrund von Gentrifizierung oder aufgrund von der Entwicklung in der Stadt ja immer mehr an die Randbezirke praktisch oder die Randbezirke besiedeln. Wir hätten jetzt Berlin zum Beispiel, jetzt sind wir erst in Mitte, dann Kreuzberg, dann wird es Marzahn, dann Spandau. Es wird irgendwann tatsächlich auch passieren, dass die Leute mehr denken, ihr Unternehmertum auf dem Wasser auch durchzuführen, weil das noch super wenig passiert. In Großstädten passiert das schon. Ich bin gespannt und da wäre natürlich irgendwie eine Verbindung vom Staatstheater zu uns, wäre cool.
Thomé: Weil ich bin letztens wieder auf den Gedanken gekommen, bei meinem letzten Besuch bei euch, war ich ganz überrascht, dass ich auf einmal vor eurem Büro ein Schiffgesehen habe und ich dachte, jetzt baut ihr euer eigenes Wassertaxi. Was hat es damit auf sich?
Mudrich: Das ist da irgendwie mit einem Kran hingekommen, wie auch immer. Ja, das ist so ein, wie nennen wir das, “Teambuilding-Projekt”.
Wir sitzen alle meiner persönlichen Meinung nach zu oft im Büro jetzt. Früher waren wir ja immer auch noch gleichzeitig draußen, weil wir bisher nicht so viele Leute waren. Jetzt merkt man, wir sind mehr Leute, und es ist mehr Arbeit zu tun. Wir im Büro können jetzt praktisch nicht noch jeden Tag draußen irgendwie Wände streichen. Aber ich bin der Meinung, dass so Grundfähigkeiten von den Leuten nicht verlernt werden sollen, inklusive von mir. Also tut es jedem auch mal ganz gut, irgendwie vielleicht ein Boot mal nochmal abzuschleifen und sowas. Und wenn es nachher ein schönes, fertiges Boot wird, dann hat ja auch jeder irgendwie einen coolen Ort, an den er gehen kann, wenn ich ihm zu nervig bin im Büro. Aber nee, das ist eigentlich so ein Teambuilding-Projekt, weil wir die Chance hatten, einen Schrottkahn zu bekommen und den jetzt hoffentlich zu einem Nicht-mehr-Schrottkahn transformieren.
Thomé:Ja, super. Werd gerne ab und zu mal kommen und die Entwicklung beobachten. Sowieso ist es immer auch spannend zu erfahren, wie es jetzt bei euch ganz konkret weitergeht. Also was sind jetzt bei euch die nächsten Schritte und die Prioritäten auf der Agenda?
Mudrich: Ja, im Kleinen, sage ich mal, also vor Ort, ist gerade kurz vor Saisonbeginn. Das bedeutet, draußen wird jetzt alles nochmal wie jedes Jahr verschönert, umgebaut. Wir werden ja auch glücklicherweise besser und nehmen jedes Jahr Erfahrung mit. Das heißt, wir können Dinge optimieren. Im Sektor Heimat passiert gerade viel. Da werden, glaube ich, heute tausend Spiegelflesen geklebt.
Und generell sind, glaube ich, die nächsten großen Dinge, abgesehen von den Veranstaltungen Raube-Nimmersatt, zehn Jahre Osthafenfest, dies, das, Ananas, dass eventuell eine ziemlich große Produktion am Tag der deutschen Einheit auf uns wartet. Mehr kann ich dazu jetzt bis jetzt nicht sagen, aber das könnte auf jeden Fall passieren.
Sonst haben wir uns erneut für ein Leuchtturmprojekt nochmal beworben, damals war das “Apollon” daraus geworden und wir können auf eine wirklich eine sehr schöne Zeit zurückschauen. Und ja, wir haben uns für ein neues Projekt beworben. Mal schauen. Wir verkünden es dann, wenn wir die Zu- oder Absage seitens des Ministeriums bekommen. Ich hoffe, dass das Vertrauen durch das erfolgreiche Apollon-Festival natürlich jetzt so hoch ist, dass man sagen kann, gut zwei Jahre später kann man denen noch einmal eine Chance geben.
Sonst vier Projekte mit dem Staatstheater sind gerade cool, auf jeden Fall mal ganze Produktionen bei uns zu fahren, die sie eigentlich bei sich im Haus machen würden, viel Jazz-Kooperation natürlich, heute nochmal ein Konzert zum Beispiel. Man muss dazu sagen das größte Projekt, ist und bleibt der Umbau oder Rückbau. Dieser soll dieses Jahr beginnen, nach einer längeren Wartezeit, wer auch immer daran schuldig war, das lassen wir jetzt mal unkommentiert
Aber genau, der Umbau von der Baustelle praktisch, also Kulturgut Ost, das Entwicklungsprojekt, soll bestenfalls Ende dieses Jahres schon starten. Es hängt jetzt natürlich von der Bearbeitung des Bauantrags ab, aber da werden auf jeden Fall die ersten Arbeiten passieren müssen.
Thomé: Also alles ganz, ganz spannend. Insofern drücke ich da von Herzen die Daumen. Janis, wir sind schon so am Ende angekommen. Deswegen vielleicht noch eine ganz schnelle Abschlussfrage. Wenn du jetzt drei Wünsche frei hättest für dein Projekt von der Politik, der Stadt, von Investoren, von wem auch immer, welche wären das?
Mudrich: Eine Förderung, um die MitarbeiterInnen, die dort arbeiten, angemessener bezahlen zu können. Vorneweg das Allerwichtigste, weil man das Arbeitspensum eigentlich gar nicht bezahlen kann von dem, was sie leisten. Sonst erhoffe ich mir tatsächlich, dass wir das gemeinsam so schnell und so effektiv wie möglich für das Saarland und damit für alle entwickeln. Und sonst hoffe ich, dass auf jeden Fall die Stadt und die BürgerInnen weiterhin das Projekt oder den Ort so gut annehmen, wie sie das tun. So einfachste Bedürfnisse eigentlich, die jetzt gar nichts zwangsweise mit uns als Projektteam zu tun haben. Ich hoffe, dass manche Dinge, die auf der Welt oder in Deutschland passieren, bei uns vielleicht nicht ankommen werden.
Thomé:Ich drücke die Daumen für all diese Wünsche. Lieber Janis, ganz herzlichen Dank für das Gespräch. Alles Gute für dich und dein Team.
Mudrich: Vielen Dank. Danke für die Einladung.
Mudrich: Vielen Dank für die Einladung.
Thomé: Janis, ungewöhnliche Frage direkt vorab. Wann bist du heute aufgestanden? Wann hat dein Wecker geklingelt?
Mudrich: Der Wecker hat geklingelt um 4.50 Uhr und aufgestanden bin ich um 5.
Thomé: Ich bin nämlich gerade auch mit so vielen Menschen im Kontakt und habe auch schon eine Veranstaltung zum Thema gemacht. Was machen erfolgreiche Menschen wirklich aus? Und das ist total beeindruckend für mich zu sehen, dass es so viele starke Parallelen gibt bei erfolgreichen Menschen in ganz unterschiedlichen Bereichen. Und eine davon ist wirklich dieses frühe Aufstehen. Welche Bedeutung hat für dich ein strukturierter Tag, der auch früh anfängt?
Mudrich: Ja, ich glaube, was ich zu schätzen gelernt habe, je mehr Verpflichtungen und auch fremdbestimmte Termine dazugekommen sind und auch, da ich aus einer Branche komme, wo auch oftmals, jetzt nicht mehr so wie früher, aber schon auch immer noch ab und zu abends auch noch sehr lange das Telefon klingelt, diese Zeit zwischen fünf und sieben ist so der komplette Ruhepol, kann ich sagen, wo ich mich auf irgendeine Tätigkeit, die ich meistens dann auch erst einen Tag vorher oder an dem Tag entscheide, vollends konzentrieren kann. Das kann etwas Kreatives sein, das kann auch irgendwie eine Steuererklärung sein oder Mails beantworten. Aber generell ist es so, dass das für mich persönlich einfach ein zeitlicher Vorteil ist.
Dazu kommt natürlich, dass das Team mittlerweile ziemlich groß ist, was am Osthafen wirkt. Und da sind Leute dabei, das ist jetzt gar nicht wertend gemeint, sondern die kommunizieren das auch so, die brauchen klare vorgegebene Aufgaben, klare vorgegebene Strukturen. Die wollen keine Entscheidung treffen. Die sagen einfach, das liegt ihnen nicht. Und dementsprechend ist es natürlich auch so, dass wenn ich mir morgens die Zeit nehme und den Tag nach Prioritäten sortiere und in verschiedene Slack-Gruppen und was wir da alles nutzen, irgendwie dann Aufgabengebiete schicke, dann weiß ich halt auch, es kommt zu keinem Verzug. Die Leute kommen, die gucken da einmal rein und wissen genau, was wichtig ist. Und dadurch kann ich auch noch auf tagesaktuelle Dinge vielleicht reagieren, die mir gerade erst einfallen oder die ich gerade erst per E-Mail bekommen habe. Ja, ich glaube, wenn man vor allem auch noch Dinge wie Training am Tag unterbringen möchte oder Sachen, auch wenn es Hobbys sind, dann muss man irgendwo anders sich diese Zeit schaffen, sonst wird es nicht mehr funktionieren. Und ich habe das beschlossen, irgendwie mit damals meinem sportlichen Alltag frühmorgens zu verbinden und kann mir auch nichts anderes mehr vorstellen.
Es ist nicht schön morgens, aber wenn ich einmal wach bin und den ersten Espresso drin habe, dann läuft es.
Thomé: Janis, bevor wir über eure Vision sprechen, über das, was ihr alles so Tolles am Osthafen vorhabt, will ich den Fokus erstmal auf dich als Person legen. Jetzt kennen wir uns ja schon etwas länger und ich habe, kann ich wirklich sagen, wenig Menschen getroffen, die ein solch hohes Energielevel haben und die so viele Handlungsstränge, Aktivitäten auch parallel nach vorne bringen. Was genau treibt dich eigentlich persönlich an, um dich so stark, wie du es tust, zu engagieren?
Mudrich: Na ja, ganz von oben betrachtet bin ich auf jeden Fall überzeugter Saarbrücker und stadtliebender Saarländer oder bundeslandliebender Saarländer und bin jetzt erstmal davon überzeugt, dass man an dem Ort, an dem wir uns befinden, mit den Möglichkeiten, mit dem Team und auch mit den Fähigkeiten, die ich so um mich rum sehe und die wir dort miteinander vereinen können, dann sind wir, glaube ich, jetzt mal ganz grundsätzlich in der Lage, dort was ziemlich Einzigartiges zu schaffen. Das ist schon Motivation genug, denke ich mal, vorneweg. Ja, sonst hat sich das irgendwie zu einer Art Lebensaufgabe entwickelt, dort einfach zu wirken und auch so viele Leute wie möglich ins Boot zu holen, die Personen als solche auch irgendwie von ihren eigenen Talenten zu überzeugen, die sie vielleicht bisher noch nicht entdeckt haben. Und ja, das ist so mein tägliches Tun eigentlich.
Thomé: Was würdest du sagen, sind so die prägenden persönlichen Eigenschaften, die du einfach mitbringst, um das Ganze zu einem Erfolg zu machen?
Mudrich: Mir wurde mal gesagt, ich hätte eine hohe Resilienz, nennt man es, glaube ich. Also ich glaube, es gibt immer für alles eine Lösung, für wirklich alles, alles, alles. Das ist dann vielleicht nicht immer eine optimale Lösung, aber zumindest so, dass es weitergeht. Ich bin leidensfähig, würde ich sagen, und verlässlich.
Thomé: Jetzt weiß ich, dass du früher auch intensiv Kampfsport betrieben hast, “Brazilian Jiu-Jitsu” und das auf professionellem Level. Das stelle ich mir jetzt extrem diszipliniert, vom Tagesablauf, auch sehr strukturiert vor. Du hast aber parallel damals auch schon Partys organisiert in Saarbrücken. Wie hast du das alles unter einen Hut gebracht?
Mudrich: Ja, genau die Komponente hat das Ganze dann auch oder hat dann dazu geführt, dass sich die beiden Leben ein wenig voneinander abgespalten haben. Also man war dann irgendwie bis nachts auf irgendeiner Party unterwegs. Glücklicherweise muss ich jetzt aber auch dazu sagen, hatte ich schon immer Nachtmanager oder Nachtmanagerinnen, die dann so bis tief in die Morgenstunden alles geregelt haben. Ja, sonst war das Leben eigentlich zu 80 Prozent auf Kampfsport ausgerichtet. Nebenbei noch Studium.
Ja, gab es wenig Privates, Soziales. Ja, und irgendwann musste man sich ein bisschen entscheiden. Und dann habe ich mich halt für diese vollblutberufliche Karriere entschieden. Ich bin immer noch aktiver Sportler, aber jetzt nicht mehr so wettkampffokussiert wie früher.
Thomé: Aber was würdest du sagen, ich meine, das war ja schon eine Zeit mit dem Kampfsport auf Wettkampfniveau, die dich sicher sehr geprägt hat. Was würdest du so sagen, sind so die Eigenschaften, die dich als Kampfsportler erfolgreich gemacht haben, die dir in der jetzigen Situation bei dem, was du heute machst, auch helfen?
Mudrich: Ich habe aus einer sehr unzufriedenen persönlichen Situation mit Kampfsport angefangen. Ich bin mit keinem Talent gesegnet worden. Ich kann kein Rückwärtssalto aus dem Stand. Ich kann nicht gut zeichnen. Es gibt ja so Leute, die wissen einfach schon von vornherein, was sie wollen, weil die nehmen was in die Hand und man denkt, du darfst nie wieder was anderes machen. Bei mir war das gar nicht vorhanden. Und ich habe mich irgendwie damals tatsächlich durch “googeln” mit möglichst harten disziplinären Maßnahmen versucht, irgendwie auf eine Bahn zu bringen, nach der ich gesucht habe. Es war dann tatsächlich so, dass ich zum ersten Mal so ein richtiges Talent in dieser Bodenkampfsportart an mir selbst wahrgenommen habe, was mich unfassbar motiviert hat. Und ich habe daraus gelernt, auf alles andere dann zu verzichten, was mich von diesem Weg abbringt. Und ich glaube, dieses verzichten können auf viele Dinge, um zu einem Ziel zu kommen, ist das, was ich am allermeisten mitgenommen habe. Es spielt keine Rolle, wie früh es ist, wie sehr es wehtut, wie viel Hunger man hat, was man alles verpasst, vermeintlich an großartigen Partys, die dann doch nur ohnehin die nächste sind und am Wochenende kommt eh wieder die nächste, Aber viele Leute leben ja vom einen ins nächste Wochenende.
Und der ganze Weg des Kampfsportes war mit so viel Dopamin und natürlich dann auch Erfolgserlebnissen ab dem gewissen Zeitpunkt ausgestattet, dass ich mir gedacht habe, okay, wenn ich das hier so hinbekomme, ich spüre eigentlich das Gleiche bei meiner Tätigkeit, an der ich schon so ein bisschen dran war, aber es war jetzt noch nicht so groß wie jetzt. Dann habe ich alle Eigenschaften von da einfach mit rüber genommen und versuche so auch das Team zu leiten.
Thomé: Erfolg kommt oft nicht immer alleine, sondern im Team. So, was würdest du sagen, es ist ein “People-Business”, es ist immer menschengetrieben, es hängt von einzelnen Menschen auch ab. Man braucht natürlich einen, der Dinge vorgibt, der auch Struktur vorgibt, davon hast du gerade gesprochen. Aber was macht den Erfolg sozusagen von Janis Mudrich aus, inwieweit spielt er und das Team auch noch eine große Rolle?
Mudrich: Ich glaube, das ist zu 100 Prozent davon abhängig. Also ich hatte ja schon mal im Vorgespräch erwähnt, ich glaube schon, dass auch irgendwas anderes aus mir noch im Leben geworden wäre. Aber die Position, an der ich jetzt stehen darf, für die ich natürlich auch selbst arbeite, die ist trotzdem nur entstanden, weil um mich rum auch Leute genauso viel arbeiten wie ich, die daran glauben, dass meine Version oder mein Versprechen, wo wir eventuell mal hinkommen könnten, wahr werden wird.
Dass das Vertrauen daran so hoch ist, dass die genauso viel arbeiten wie ich. Natürlich ist jeder ersetzbar, das steht außer Frage. Das muss, glaube ich, auch so sein, inklusive mir selbst. Es darf ja nicht so sein, dass ein Projekt dieser Größe von einer Person abhängig ist. Aber ich glaube, wenn es dann von 95 Prozent erfolgreich zu 98 oder sogar zu 100 springt, dann muss es wirklich so sein, dass so die richtigen Köpfe aus irgendeinem Grund zur richtigen Zeit zusammensitzen, und das ist am Osthafen der Fall.
Thomé: Wenn jetzt Leute über den Osthafen reden, dann fallen immer wieder Begriffe wie “Silo”, “Sektor Heimat”, “Kulturgut Ost”. Vielleicht beschreibst du mal ganz kurz, was da so der Zusammenhang ist.
Mudrich: Ja, das treibt uns wirklich auch in den Wahnsinn. Es gibt schon wirklich mehrere Organigramm-Präsentationen, die sich nur damit befassen.
Also das sind mal grundsätzlich zwei Gebäude. Und in dem einen Gebäude, das etwas schmalere würde ich jetzt sagen, das ist das Silo. Und das Silo ist die Geburtsstätte von allem, was wir da tun und ist ein reines Veranstaltungs-, ein privatwirtschaftliches Veranstaltungsobjekt. Dort gibt es das Café, dort gibt es einen Nachtclub, den wir jetzt nicht mehr führen. Den haben wir vor fünf Jahren an eine nächste Generation abgegeben. Aber wir sind noch im Café verbandelt und das ist praktisch unser tägliches Brot, kann man sagen.
Und nebendran gibt es das “Rhenania-Gebäude” und da gibt es einen flachen und einen hohen Trakt. Und dieser flache Trakt ist der “Sektor Heimat e.V.”, Kulturveranstaltungen und so der Freigeist des Ortes, würde ich sagen. Soll auch nach uns irgendwann mal wieder junge, motivierte Leute anziehen, sich dort selbst zu verwirklichen und wird auch in dem Entwicklungsprojekt klar getrennt von Kulturgut Ost. Kulturgut Ost ist dann, wie gesagt, dieser große Gebäudeentwicklungsaspekt und jetzt mittlerweile natürlich auch die Dachmarke. Also ich würde jetzt sagen, der Sektor Heimat und das Silo stehen im Kulturgut Ost, kann man sagen. Aber es soll später, das ist auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt unserer Planung, schon so sein, dass die Kulturgut Ost GmbH dieses große Projekt und Gebäude entwickelt und dass aber der Sektor Heimat e.V. weiterhin diesen kleinen flachen Teil bewirtschaftet, um eben einer neuen Generation an verrückten Vereinspeoples nicht direkt diese Knarre in den Nacken zu setzen und sagen, ey, denkt an die Rückzahlung hier und denkt an das. Sondern die sollen mit genau dem gleichen Freigeist nochmal an alles rangehen. Vielleicht sagen die auch, ´was ihr in den letzten zehn Jahren gemacht habt, das ist der totale “Mumpitz”. Wir reißen wieder alles ab und fangen hier nochmal neu an und machen viel mehr Klassikmusik statt Jazz und machen viel mehr das statt das`. Und dann ist es auch völlig in Ordnung. Wir sind ja irgendwann auch in einem Alter, wo wir gar nicht mehr genau wissen, was so trendgemäß ist. Aber dann sind wir drüben im Kulturgut Ost und wissen, okay, wir machen hier unseren Kram und bitte seid nicht zu laut.
Thomé:Was habt ihr denn im Rhenania-Gebäude ganz konkret vor? Was soll da alles auf den acht Stockwerken passieren?
Mudrich: Ja, also wenn man es irgendwie jetzt in einem Begriff erklären müsste, würde ich sagen, es soll ein “kulturell genutztes Kreativwirtschaftszentrum mit Möglichkeiten für Nachwuchs und inklusiven Projekten” sein.
Auf gut Deutsch haben wir praktisch alle acht Etagen entsprechend dem Bedarf der letzten Jahre versucht zu bestücken. Da gibt es Proberäume, Ateliers, Werkstätten, eine Etage für Sport und Gesundheit, gemeinnützige Tätigkeiten, gastronomische Tätigkeiten, klassische Büronutzungen auch von Menschen, die dann das gute Gewissen der Bank als Ankermieter:Innen bilden sollen. Und ja, letztendlich das, was so zehn Jahre am Osthafen an uns herangetragen worden ist, was denn cool wäre, wenn es in Saarbrücken oder im Saarland stehen würde oder was denn hier stehen müsste, damit man das Saarland nicht verlässt. Das ist ja entsprechend der Jugendflucht der viel wichtigere Punkt. Das haben wir zusammen gebündelt und in ein Gebäude namens Rhenania gepackt. Ein Zentrum für alles.
Thomé: Wenn du jetzt sagst Zentrum für alles, dann frage ich mich immer auch, wenn ich jetzt da als Spaziergänger entlangkomme. Habe ich da irgendeine Chance reinzukommen?
Mudrich:Generell kann sich das ohnehin, denn das oberste Credo am Osthafen ist das jeder vorstellig werden oder sich melden kann, der irgendeine Idee hat, irgendetwas zu tun.
Ja, von, wir machen jetzt eine Tierschutzveranstaltung dieses Jahr, oder was mit dem Staatstheater etc., also es kann jede Person mit einer Idee erstmal zu uns kommen und auch jede Person kann anfragen, ob er da ansässig werden kann. Und abgesehen vom Dach, das soll sowieso frei begehbar bleiben, bestenfalls, wenn wir es rechtlich hinbekommen. Die Sicht ist einzigartig und soll jedem zugänglich sein, ohne was bei uns konsumieren zu müssen oder ansässig zu sein.
Thomé: Kann ich da einfach mit meiner Picknick-Decke kommen und mich da hochsetzen?
Mudrich: Genau, natürlich wird es Zeiten geben, wo das der Gastronomie zugeordnet wird oder sonntagmorgens ist dort oben, keine Ahnung, SR-Martiné, oder ähnliches. Aber das soll zu den normalen, in “9-to-5-Zeiten”, soll es völlig frei begehbar sein. Barrierefrei, sodass da einfach Leute hochgehen können, Fotos schießen können. Ausblick ist gigantisch, das sollte nicht exklusiv nutzbar sein.
Thomé: Wenn ich jetzt Gespräche auch führe im Saarland -und da kommt es auf das, was ihr da so alles am Osthafen macht - dann sind alle voll des Lobes, alle schwärmen und das sieht von außen betrachtet so ein bisschen aus, als ob alles, was du, was ihr so anpackt, auch erfolgreich wird. Und ist das so oder gibt es auch Dinge, wo du sagst, da bin ich mal gescheitert? Du hast eben gesagt, du bist auch besonders resilient. Wie gehst du denn damit um, wenn mal was nicht klappt?
Mudrich: Also wir scheitern täglich an irgendwas. Ich habe mal so einen Spruch gehört, der trifft auf uns ganz gut zu. Wir scheitern halt schon öfter, als es andere Menschen alleine nur probieren. Also die Quote, dass Dinge halt irgendwann klappen, ist nur eine logische statistische Konsequenz. Die Pipeline gefüllt halten. Natürlich wird man viel geübter. Man hat einfach jeden Fehler gemacht, den man mal machen kann. Und das Team wird halt einfach größer. Und die Fähigkeiten, die sich da mittlerweile heraus zeichnen, ist einfach so, dass man für jedes mögliche Problem einen Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin im Team hat. Und logischerweise mache ich Dinge auch einfach nicht mehr selbst, wo ich dreimal einen Fehler gemacht habe.
Ja, deswegen muss man sich da einfach auch grundsätzlich mal seiner Stärken und Schwächen bewusst sein und dann passieren Fehler eigentlich nur, weil die Kommunikation nicht stimmt oder weil man einfach den Fakten davor vielleicht ins Auge geblickt hat und hofft, dass es irgendwie gut geht. Viele Leute machen meiner Meinung nach Projekte und hoffen, dass sie gut gehen. Das gibt es bei uns nicht, dank mancher Mitarbeiterinnen, die sagen, sowas kommt uns nicht in die Tüte. Naja, aber wir scheitern oft an Projekten. Wir gucken halt natürlich nicht, dass wir richtig große Fehler begehen, aber das könnte ich ja jetzt jedem erfolgreichen, in Anführungszeichen erfolgreichen Unternehmer oder Unternehmerin genauso sagen. Machen die auch nicht, sonst werden sie ja nicht erfolgreich.
Thomé: Jetzt ist mir aufgefallen, auch bei meinen Besuchen vor Ort, dass du nicht nur selbst voller Leidenschaft bist, die aus jeder Faser rauskommt. Das ist auch bei deinem Team total ausgeprägt. Und da muss ich wirklich mal fragen, wie schaffst du das, dass du auch das Team so bei der Stange hältst, dass du dort auch diese Leidenschaft entfachst, auch in den letzten Jahren schon, in denen es wahrscheinlich jetzt nicht nur um Geld gegangen ist. Wie schaffst du da diese intrinsische Motivation hochzuhalten?
Mudrich: Also man muss sagen, die Leute, die jetzt bei uns in irgendeiner tragenden, führenden Position sind, die sind übrig geblieben. Also es ist jetzt nicht so, dass jeder, der zu uns kommt, mit mir klarkommt, mit der Arbeitsweise klarkommt, mit dem Pensum klarkommt oder auch dann direkt die Kirsche auf der Sahne ist. Und das ist natürlich auch immer ein Prozess. Die Leute, die jetzt bei uns sind und da mitwirken, hatten das schon in sich. Ich habe das vielleicht rausgekitzelt und auch viele Leute immer wieder bis heute davon überzeugt, dass sie Dinge können. Also es gibt für mich gar keinen Grund, warum jemand was nicht kann. Gibt es generell nicht. Also ich würde niemals jemandem sagen, das kannst du nicht, nur weil er eventuell nicht die Ausbildung hat. Gut, vielleicht wenn er jetzt am offenen Herzen operieren soll, würde ich das schon sagen. Aber so generell das, was wir tun, ein Projekt zu entwickeln oder Veranstaltungen durchzuführen oder Workshops oder was auch immer es ist, davon bin ich überzeugt, dass jeder Mensch zu viel mehr in der Lage ist. Und ich glaube, dadurch, dass ich das schaffe, bei vielen rauszukitzeln, entwickeln die dann selbst auch einfach plötzlich so eine Motivation und denken, ja, die haben Erfolgserlebnisse. Eigentlich versuche ich das jeden Tag sogar mit den Leuten irgendwie hinzubekommen.
Thomé: Du hast eben gesagt, hohes Pensum. Also ihr gebt euren Kunden, den Leuten, die zu euch kommen, eine gute Zeit mit allem, was ihr tut. Aber dahintersteckt ganz viel harte Arbeit. Wie stehst du zum Thema Führung? Gerade in dieser Kunst, also Kultur, Kreativitätsszene. Wie würdest du dich als Führungsperson beschreiben?
Mudrich: Ich bin auf jeden Fall streng. Ich habe einen sehr hohen Anspruch, muss ich sagen. Den ich aber auch mit allem, was ich besitze und leisten kann, zurückgebe. Immer, zu jeder Zeit, jedem Mitarbeiter, jeder Mitarbeiterin gegenüber, in jeder privaten oder beruflichen Situation. Keine Ahnung. Ich würde auch sofort jetzt den Laden heute schließen, wenn jemand irgendwie Hochwasser zu Hause hätte. Da müssen halt alle von uns darüber und dort helfen irgendwie. Also ich glaube, ja generell ist das Arbeitspensum bei uns einfach auch so hoch, weil das ja insgesamt sehr viele Firmierungen und Unternehmen und Projekte sind, die da parallel laufen und die Leute denken, ja da findet mal eine Veranstaltung statt, aber da finden dann ja auch noch 10.000 Termine statt und Projektplanung und so. Bei uns gibt es zum Beispiel keine Urlaubstage oder so was. Also da steht einfach nur ein Endlichkeitszeichen im Arbeitsvertrag. Die Leute müssen wissen, wie viel Urlaub sie brauchen oder machen wollen. Ich bin sehr dankbar, wenn sie es nicht in der Hochsaison machen, aber das wissen die alle auch von selbst. Heißt, wenn einer sagt, ´hey, hartes Jahr, ich bin jetzt sechs Wochen weg, alles ist geregelt, Übergabensliste, wenn nicht, melde dich bei dem, der vertritt mich da und da´,- Go for it! Die Leistung ist so exorbitant gut von allen bei uns im Team.
Dass die auch das Gefühl haben sollen, dass die da gerne hinkommen, also es muss sein, als wäre eigentlich auch das Urlaub, nur dass man halt dabei noch irgendwie coole, produktive Dinge tut. Ich glaube, das ist auch so ein Ding, nur weil wir sehr produktiv den Tag über sind, heißt das ja nicht, dass wir uns zu irgendeiner Arbeit theoretisch zwingen müssen. Natürlich gibt es immer wieder ätzende Aufgaben, keine Ahnung, eine Steuerprüfung ist nicht geil. Aber da muss man halt durch und das gehört dazu und das ist auch völlig in Ordnung, dass das so ist und es gibt und das macht den Leuten nochmal klar, ihr seid an einem sehr dankbaren Ort, mit sehr dankbaren Freunden und Freundinnen um euch rum, die auch noch eure ArbeitskollegInnen sind, seid euch dem jeden Tag bewusst einfach. Also egal, auch wenn es mal wenig Geld gibt oder wenn es mal scheiße läuft, Ihr seid von eurem Lifestyle ganz weit da oben gelandet. Nicht vom Kontostand unbedingt, aber von dem, was ihr täglich tun dürft, wie viel Lob ihr bekommt. Das ist doch das Größte, was man im Leben erreichen kann. Und es macht euch noch Spaß dabei.
Thomé: Also ich glaube, das ist ein richtig toller Impuls, das Leben und das, was man täglich tut, auch mit Dankbarkeit zu erfassen und dem so zu begegnen. Janis, kommen wir mal zur Vision hinter Kulturgut Ost. Der Osthafen der Zukunft. Wann habt ihr eigentlich damit angefangen? Die erste Idee zur Entwicklung des Osthafens, wie ist die entstanden?
Mudrich: Ja, einer unserer, wie nennt man das, Ratsältesten, der auch das Café Thonet in Saarbrücken gegründet hat, der hat irgendwie sehr früh Potenzial in dem Ort erkannt und hat sich dort angesiedelt, noch so in etwas künstlerischem, sehr sympathischem Chaos, was da dann geherrscht hat. Und letztendlich war es dann so, dass wir das als Team irgendwie Stück für Stück professionalisieren konnten, dann aber natürlich schnell gemerkt haben, dass so eine reine Feier- und Veranstaltungskomponente nicht das ist, was einen intrinsisch befriedigt. Also es ist dann cool, dass man das schafft, tausend Technoleute hinzuziehen, aber es gibt halt auch noch andere Zielgruppen, andere Gesellschaftssichten, andere Altersklassen und der Ort ist so groß, dass wir schon eh und je tatsächlich gesagt haben, der muss irgendwann mal so für alle was bieten können.
Ja, und dann war uns relativ schnell klar, dass wir das irgendwie unter den Leuten, die jetzt schon ein paar Jahre zusammenwirken, halt nur in einer demokratischen Struktur hinbekommen. Deswegen haben wir den Verein gegründet. Und mit dem Verein und der temporären Nutzungserlaubnis, haben sich neue Möglichkeiten aufgetan, einfach auch räumlicher Natur. Und dann haben wir plötzlich ein Theaterfestival gemacht und dann kam Jazz dazu. Vielleicht haben wir gemerkt, es kommen die ersten Leute Ü50, Ü60 und der Ort hat eh irgendwie einen gewissen Magnetismus auf Leute in Saarbrücken. Ja und dann, glaube ich, haben wir den klugen Schritt gemacht, unsere eigenen Vorlieben oder Interessen mal nach hinten zu schieben. Und bis heute hinterfragen wir uns sehr oft, ist das jetzt cool, weil wir das mögen oder ist das cool, weil wirklich auch andere Leute hier hinkommen und können wir irgendwas zur Gesellschaft beitragen?
Thomé: Ja, offenbar habt ihr ja auch andere überzeugt. Ich meine, starke Ideen, guter Plan ist immer eine notwendige Basis, um die Vision auch umzusetzen. Aber davor gab es ja auch erstmal einen Vergabewettbewerb 2021-22, bei der Stadt Saarbrücken für das Rhenania-Gebäude. Und da habt ihr euch durchgesetzt. Und jetzt muss man ja sagen, es gab auch noch ein anderes Angebot im Wettbewerb, bei dem deutlich höhere Investitionen geplant waren. Womit hat euer Konzept im Wettbewerb überzeugt? Was macht es aus?
Mudrich: Ja, ich glaube, wir hatten den Vorteil gegenüber dem Mitbewerber, dass das, was wir dort präsentiert haben oder das, was wir eingereicht haben, basierte auf dem tatsächlichen Bedarf, der über die letzten sieben, acht Jahre an uns herangetragen worden ist. Also wir haben uns das nicht aus den Fingern gezogen, was wir in diesen Stockwerken machen wollen, sondern da waren zig Leute, die Proberäume gesucht haben, also haben wir gesagt, okay, hier wäre es cool, eine Proberaumetage zu haben. Es gab mittlerweile soziale, befreundete Träger, mit denen wir zusammenarbeiten, wie jetzt die “Lebenshilfe Obere Saar” als Beispiel, die dann gesagt haben, oh, es wäre so schön, hier mal mittendrin was zu machen. Okay, also wussten wir eine Etage wird für sozialer Gemeinnützigkeit. Und so ging das halt weiter. Und irgendwann ist das Konzept relativ von selbst entstanden. Wir haben es nur irgendwie in eine schöne Form gepackt.
Und ich will gar nicht sagen, dass das Konzept von den Mitbewerbern nicht vielleicht auch funktioniert hätte. Ich glaube nur, dass alles, was dort passiert ist, organisch gewachsen ist. Wir haben mit 500 Euro in Paletten angefangen, jetzt zu einem großen Immobilienprojekt. Und ich glaube, es ist wichtig, dass so was nicht zu konstruiert wirkt, damit es glaubhaft bei den Leuten bleibt. Und ich glaube, das wäre bei dem anderen Projekt passiert. Also man muss irgendwie, keine Ahnung, auch in der Subkultur mal unterwegs gewesen sein, auch gerne in der Hochkultur, aber bestenfalls in beiden Welten und irgendwie alles mal kennengelernt und sich dort auch vielleicht schon einen Namen verdient haben, damit die Leute einem das abnehmen, so ein Projekt zu leiten. Weil das Schlimmste oder das Schwierigste wird bei der ganzen Nummer dieser Spagat von dieser urbanen, lebhaften, unabhängigen Szene, die da jetzt so angesiedelt ist, die wir auch halten wollen und die wir auch befeuern mit manchen Events, plus gepaart mit sehr seriöser Kreativwirtschaft und einer Bank, die ihr Geld zurückhaben will.
Thomé: Ja, ich kann mir das gut vorstellen. Organisch entstanden, sehr hohe Authentizität. Das klingt wirklich nach einem tollen Ansatz, demokratischer Ansatz, inklusiv mit einer sehr, sehr hohen Nutzungsvielfalt. Aber wie du auch gerade schon gesagt hast, am Ende bleiben ja hohe Umbaukosten. Da werden auch Banken mitreden und die kalkulieren. Die lassen sich jetzt nicht alleine mit einem demokratischen Ansatz, mit einer hohen Nutzungsvielfalt überzeugen. Da braucht man schon einen stabilen Business Case. Und das habe ich in eurem Konzeptentwurf auch gelesen, dass kulturelle, kommerzielle Aspekte Hand in Hand gehen. Wie genau funktioniert das?
Mudrich: Ja, also ich bin überzeugt davon, dass, wenn auch gut betuchte Unternehmer in diesem Gebäude ansässig sind, die aber irgendwie halt vielleicht eine Familie mitbringen zum Beispiel, dass dort generell die Mischung aus vielen verschiedenen Menschen und Tätigkeiten nachher so besonders ist, dass die Leute auch bereit sind, dafür was zu zahlen und gleichzeitig auch noch Projekte, die es sich nicht leisten können, halt eben damit unterstützen. Das ist nachher ja trotzdem am Ende des Tages eine Summe X die pro Jahr zurückfließen muss und entweder die leuchtet halt bei Excel grün auf oder wenn dein Durchschnittszins zehn euro ist und du holst halt, da acht beim einen und dafür da aber zwölf beim anderen, dann geht es ja schon auf. Das ist ein solidarischer Ansatz, der funktioniert, weil es halt auch, glaube ich, transparent ist für alle und da weiß jeder, wofür er sich einlässt und dass er dann auch, ich sage mal, solchen Nutzungen dann überhaupt mal Raum gibt, die vielleicht sonst viel zu teuer sind.
Thomé: Wenn ich an Proberäume denke für junge Bands, hat sich ja mittlerweile auch Saarbrücken, das Saarland in Richtung entwickelt, die können sich das ja gar nicht mehr leisten.
Mudrich: Korrekt.
Thomé: Janis, jetzt würde mich mal bei einem Thema deine Meinung interessieren, um das sich viele meiner Gespräche dreht, und zwar das Thema Standortattraktivität. Also was sind die Faktoren, die unseren Standort attraktiv machen, die das Saarland lebenswert machen, die vielleicht auch Fachkräfte, Arbeitskräfte im Allgemeinen dazu bringen, sich für das Saarland zu entscheiden? Inwieweit siehst du Kultur, Kreativwirtschaft auch als Standortfaktor für unser Saarland?
Mudrich: Ja, also generell natürlich geografisch gesehen könnte es, finde ich, kein Bundesland geben, was besser liegen kann irgendwie. Wir können von mancher Stelle vielleicht sogar, weiß ich nicht, einen Kirchkern nach Frankreich spucken, so nah ist es. Luxemburg ist direkt um die Ecke. Natürlich haben wir auch umliegende, starke Bundesländer. Aber das Potenzial des Saarlandes wird, habe ich das Gefühl, immer von außen schon so schlechtgeredet, dass die Leute innen vergessen, dass es eigentlich nicht so sein muss.
Ich glaube, wir sind auf sehr kompaktem Raum, sehr, sehr qualitativ hochwertig in manchen Aspekten, sowohl in innovativen Tätigkeiten, wenn man jetzt so von Unternehmen spricht, als auch in kulturellen Aktivitäten und vor allem auch in subkulturellen Aktivitäten. Ich glaube, das Saarland hat auf kurzem oder auf kleinem Raum wirklich sehr, sehr viel in allen Sparten und in allen Bereichen zu bieten. Ich sehe nichts, wo wir irgendjemandem in irgendwas hinterherhängen.
Man kann sich darüber unterhalten, dass wir jetzt vielleicht nicht Medienhauptstadt werden, weil da Köln einfach irgendwie schon bessere Vorarbeit geleistet hat oder wir können natürlich auch wahrscheinlich nicht mit so mancher anderen Stadtkasse mithalten, die irgendwie vielleicht ein bisschen besser gewirtschaftet haben als wir oder woher auch immer unsere Haushaltslage kommt, aber generell sehe ich nichts, was hier nicht funktionieren könnte. Also ich glaube, dass die Leute sich nach irgendwie einem lebenswerten Leben grundsätzlich sehen und ich glaube, dass es Saarland dafür alles bietet und dass noch mehr Kultur und Kreativwirtschaft das nur noch intensivieren kann.
Thomé: Was ich total bemerkenswert finde und auch bei meinen Besuchen vor Ort, das ist ein zutiefst kreativer Ort, der aus sich heraus entstanden ist. Den Ort gibt es nicht deshalb, weil da irgendeiner ganz viel Geld gegeben hat, damit er entsteht, sondern er ist aus sich heraus entstanden, getragen von vielen Menschen, die von der Idee überzeugt sind und Blut-Schweiß-Tränen investiert haben. Damit alleine ist eine solch große Vision aber bestimmt nicht zu realisieren.
Wichtig ist immer auch die Politik, die das Ganze auch politisch stark begleiten muss. Da würde mich einfach mal interessieren, aus deiner Sicht macht da die Politik heute schon genug, um euch zu fördern und euch als starker Partner zu begleiten?
Mudrich: Also ich kann schon so sagen, dass ich seit drei oder vier Jahren äußerst zufrieden und dankbar bin, was für Menschen an gewissen Positionen sitzen. Und das meine ich völlig parteiunabhängig. Wir sind alle parteineutral, solange es demokratische Parteien sind.
Aber letztendlich ist es das große Problem, was ich als jemand sehe, der ein Hals-Tattoo und die Hände tätowiert hat, sehe, dass es viel zu lange dauert, dass Leute die wirklich Potenzial in sich tragen, ernst genommen zu werden, dass denen auch schnell, gerade wenn es um Investitionen geht geholfen wird. Also wir können ja um jeden dankbar sein, der Projekte im Saarland oder in Saarbrücken umsetzt und wenn dem es noch schwer gemacht wird die umzusetzen.
Wegen politische Befindlichkeiten verlieren die meisten Leute tatsächlich irgendwie den Glauben an die Politik und das kann ich auch sagen, wir haben super gute Leute verloren vor Ort, die gesagt haben, nach fünf Jahren, oh das dauert und wird wohl eh nix. Die lassen euch nachher noch fallen, weil es einfach nie zu was geführt hat aber irgendwann kam so ein Umschwung. Ich habe das Gefühl, da wurde uns zugehört und da wurden wir ernst genommen. Wir mussten uns das, wie gesagt, hart erarbeiten. Da würde ich mir wünschen, dass man einfach dankbar ist, um jede Person, die hier irgendwas, in unserem Fall zur Kultur und Kreativwirtschaft, beitragen will. Und dem sollte man, so schnell es geht, alle Türen öffnen, um das auch umsetzen zu können. Egal, ob das jetzt ein Räumchen ist, wo er wirken kann, oder eine Zwischennutzung von einem der acht Millionen Gebäude, die hier leer stehen. Wenn jemand sich das zutraut zu machen, dann besser, als dass es leer steht. Um so etwas zu realisieren, da hat man ja als Kulturschaffender jetzt nicht unbedingt eine One-Stop-Agency auf Landesebene.
Thomé: Ihr habt ja sicherlich einige Stellen, zu denen müsst ihr immer wieder eure Ideen vortragen. Auf Landesebene etwa das Kultusministerium und auch das Wirtschaftsministerium kann ich mir vorstellen. Aus deiner Sicht funktioniert da die Abstimmung zwischen den Ressorts gut?
Mudrich: Nein, also ich sage das ganz so, wie ich das sehe, das liegt aber einfach daran, dass wir das Wirtschaftsministerium haben, was sich um die Kreativwirtschaft kümmert und wir haben das Kultusministerium, was sich um die Kultur kümmert, und da gibt es unserer Meinung nach keine Grenze mehr. Wenn es die gibt, dann verschmilzt sie eh sofort. Das ist natürlich gerade bei Fördermitteln ein echtes Problem, weil das darf nicht mit dem gefördert werden. Da entsteht sonst eine Doppelförderung, dies, das, Ananas. Und ich glaube, dass dort praktisch eigentlich ein neues Glied in der Mitte entstehen müsste, was diese beiden Aspekte aus den einzelnen Ministerien irgendwie entweder kanalisiert oder sortiert oder vertritt. Ich will da ja keinem den Job wegnehmen, aber ich glaube, dass alleine mit dem Thema Bildung, wo es auch die eine oder andere Schwachstelle wahrscheinlich gibt, so viel im einen Ministerium zu tun ist und mit Innovation in dem anderen, dass es vielleicht für alle cool wäre, wenn da noch so was in der Mitte wäre, was sagt, okay, wir versuchen mal Kultur und Kreativwirtschaft unter einen Deckmantel zu bringen, gemeinsam zu kanalisieren, zu fördern, zu gucken, wie man das auch auf Bundes- und EU-Ebene einfach noch intensivieren kann.
Es geht darum eine Sichtbarkeit zu schaffen, die einen Ort hat, wo sich Leute hinwenden können und es wird ein wenig einsortiert, von welcher Größenordnung wir reden, sodass man vielleicht auch von dort ein Sprungbrett zum nächsten Ansprechpartner, zum nächsten Ministerium hat. Ich glaube, das Problem ist, dass es zu sehr verschmilzt, aber es immer noch diese Trennung gibt zwischen diesen beiden Begrifflichkeiten.
Thomé:Okay, also hier noch einmal ein klarer Impuls an einen möglichen zukünftigen Ressortzuschnitt, damit das zusammenkommt, was auch zusammengehört. Janis, an welchen Stellschrauben müsste man politisch sonst noch drehen? Also Beispiel Bürokratie, was mich bei solchen Vorhaben immer wieder umtreibt und das höre ich selbst auch in meinen Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern nahezu täglich, sind die großen bürokratischen Belastungen und Auflagen. Wie sieht es bei euch aus? Ihr müsst doch bestimmt zahlreiche Genehmigungen beibringen. Also Gastro-Genehmigungen, das Thema Brandschutz, Stellplatzverordnung und vieles weitere mehr. Wie stehst du zu diesem Thema?
Mudrich: Ja, wir sind gerade exakt von den Begrifflichkeiten, die du genannt hast, betroffen.
Ja, hier ist, glaube ich, der Feind, dass alles pauschalisiert wird. Jedes Projekt ist anders, liegt in einem anderen Gebiet, hat andere Zielgruppen, die entweder dort arbeiten oder von dem Projekt angezogen werden als Gast oder als Besucherin. Ich kann das gern sagen, das Thema Stellplätze ist zum Beispiel elend und auch unverständlich teilweise und basiert auch noch auf Gedanken des Individualverkehrs, als wirklich jede Person ein Auto hatte und irgendwo hingefahren ist. Also wie sieht Mobilität der Zukunft aus?
Thomé: Zum Osthafensee ist ja die Erreichbarkeit dort sehr, sehr gut?
Mudrich: Ja, und wir haben auch noch um uns rum, also jetzt bitte nicht auf die Quadratmeterzahl festnageln, aber von 80.000 Quadratmeter innerem Osthafenkern bestehen bereits 38.000 Quadratmeter aus Parkflächen. Das entspricht, glaube ich roundabout 48 Prozent oder so was. Daher ist es absurd, dass wir dann halt zusätzlich noch ein Parkhaus bauen sollen oder eine Tiefparkanlage. Das ist schwer für mich zu verstehen. Auf der anderen Seite sind es nun mal Gesetze. Ich mache da keinem, der mir diese Nachricht überbringt, einen Vorwurf. Also der kann ja auch nichts dafür. Ich finde halt, es werden zu wenig individuelle Lösungen gefunden und es wird einfach gesagt, ´nee, das müssen wir so machen, weil es steht irgendwo`. Das darf, finde ich, nicht sein und wird auch nur Probleme in Zukunft bereiten, weil die Flächen immer weniger werden. Man soll gleichzeitig natürlich keine Fläche mehr versiegeln und so was.
Ja, also die Auflagen sind gigantisch hoch, wir haben glaube ich das Glück, dass uns das manchmal sehr triggert, diese Aufgaben zu lösen und wir dann jetzt sagen, oh Gott, so viel Papierkram, wir haben Leute bei uns im Team, die mögen Papierkram sehr gerne und die, flattern da durch und schicken das am nächsten Tag zusammengefasst zurück und haben irgendwie drei Vorschläge, aber ich kann verstehen, dass Menschen, die sich eigentlich nur auf ihr tägliches Tun konzentrieren wollen, dass die sich halt irgendwie denken, ich werde jeden Tag von links oder rechts gerammt mit irgendwas, was ich
noch tun oder abliefern muss. Davon abgesehen ist natürlich kaum was digital möglich. Also das Ganze ist ja auch immer mit einem wirklich krassen Zeitaufwand verbunden, was vollkommener Irrsinn ist, wenn man wirklich viel zu tun hat.
Ja, also da gibt es auf jeden Fall noch super viel Optimierungsbedarf, aber das liegt nicht an mir, da jetzt die große Lösung zu haben. Wahrscheinlich gibt es auch Dinge, die ich jetzt vorschlagen würde, wo mir der erste direkte Argument sagen würde und sagen, geht nicht, weil. Also es ist vielleicht manchmal auch leicht gedacht zu denken, man wüsste es besser. Aber ich bin der Meinung, zum Beispiel bei Stellplätzen, jedes Objekt muss einzeln betrachtet werden.
Thomé: Ich brauche eigentlich keine 100 Parkplätze dort. Und ihr habt ja auch eine super ÖPNV-Anbindung. Also Bus, Römerkastell in der Nähe, E-Scooter, Fahrrad-Anbindung, ganz viele Parkplätze. Was ist eigentlich aus der Idee des Wassertaxis geworden?
Mudrich: Na, an uns liegt es nicht. Also was nicht greifbar, aber was schon konkret gedacht wird, ist jetzt erstmal diese Wasserbühne, die wir da gerne hinsetzen würden. Die spielt jedes Jahr in der Planung wieder eine Rolle, aber auch Wasserstraßen, die dem Bund gehören, sind nicht so einfach, wie man denkt. Und irgendjemand hat uns ja leider auch noch eine zu tiefe Brücke da vorn an den Ärmel gesetzt, sodass auch die Befahrbarkeit bei uns ohnehin super schwierig wäre.
Wassertaxis sind, finde ich, ein netter Gedanke. Also ich glaube, genauso wie sich Leute aufgrund von Gentrifizierung oder aufgrund von der Entwicklung in der Stadt ja immer mehr an die Randbezirke praktisch oder die Randbezirke besiedeln. Wir hätten jetzt Berlin zum Beispiel, jetzt sind wir erst in Mitte, dann Kreuzberg, dann wird es Marzahn, dann Spandau. Es wird irgendwann tatsächlich auch passieren, dass die Leute mehr denken, ihr Unternehmertum auf dem Wasser auch durchzuführen, weil das noch super wenig passiert. In Großstädten passiert das schon. Ich bin gespannt und da wäre natürlich irgendwie eine Verbindung vom Staatstheater zu uns, wäre cool.
Thomé: Weil ich bin letztens wieder auf den Gedanken gekommen, bei meinem letzten Besuch bei euch, war ich ganz überrascht, dass ich auf einmal vor eurem Büro ein Schiffgesehen habe und ich dachte, jetzt baut ihr euer eigenes Wassertaxi. Was hat es damit auf sich?
Mudrich: Das ist da irgendwie mit einem Kran hingekommen, wie auch immer. Ja, das ist so ein, wie nennen wir das, “Teambuilding-Projekt”.
Wir sitzen alle meiner persönlichen Meinung nach zu oft im Büro jetzt. Früher waren wir ja immer auch noch gleichzeitig draußen, weil wir bisher nicht so viele Leute waren. Jetzt merkt man, wir sind mehr Leute, und es ist mehr Arbeit zu tun. Wir im Büro können jetzt praktisch nicht noch jeden Tag draußen irgendwie Wände streichen. Aber ich bin der Meinung, dass so Grundfähigkeiten von den Leuten nicht verlernt werden sollen, inklusive von mir. Also tut es jedem auch mal ganz gut, irgendwie vielleicht ein Boot mal nochmal abzuschleifen und sowas. Und wenn es nachher ein schönes, fertiges Boot wird, dann hat ja auch jeder irgendwie einen coolen Ort, an den er gehen kann, wenn ich ihm zu nervig bin im Büro. Aber nee, das ist eigentlich so ein Teambuilding-Projekt, weil wir die Chance hatten, einen Schrottkahn zu bekommen und den jetzt hoffentlich zu einem Nicht-mehr-Schrottkahn transformieren.
Thomé:Ja, super. Werd gerne ab und zu mal kommen und die Entwicklung beobachten. Sowieso ist es immer auch spannend zu erfahren, wie es jetzt bei euch ganz konkret weitergeht. Also was sind jetzt bei euch die nächsten Schritte und die Prioritäten auf der Agenda?
Mudrich: Ja, im Kleinen, sage ich mal, also vor Ort, ist gerade kurz vor Saisonbeginn. Das bedeutet, draußen wird jetzt alles nochmal wie jedes Jahr verschönert, umgebaut. Wir werden ja auch glücklicherweise besser und nehmen jedes Jahr Erfahrung mit. Das heißt, wir können Dinge optimieren. Im Sektor Heimat passiert gerade viel. Da werden, glaube ich, heute tausend Spiegelflesen geklebt.
Und generell sind, glaube ich, die nächsten großen Dinge, abgesehen von den Veranstaltungen Raube-Nimmersatt, zehn Jahre Osthafenfest, dies, das, Ananas, dass eventuell eine ziemlich große Produktion am Tag der deutschen Einheit auf uns wartet. Mehr kann ich dazu jetzt bis jetzt nicht sagen, aber das könnte auf jeden Fall passieren.
Sonst haben wir uns erneut für ein Leuchtturmprojekt nochmal beworben, damals war das “Apollon” daraus geworden und wir können auf eine wirklich eine sehr schöne Zeit zurückschauen. Und ja, wir haben uns für ein neues Projekt beworben. Mal schauen. Wir verkünden es dann, wenn wir die Zu- oder Absage seitens des Ministeriums bekommen. Ich hoffe, dass das Vertrauen durch das erfolgreiche Apollon-Festival natürlich jetzt so hoch ist, dass man sagen kann, gut zwei Jahre später kann man denen noch einmal eine Chance geben.
Sonst vier Projekte mit dem Staatstheater sind gerade cool, auf jeden Fall mal ganze Produktionen bei uns zu fahren, die sie eigentlich bei sich im Haus machen würden, viel Jazz-Kooperation natürlich, heute nochmal ein Konzert zum Beispiel. Man muss dazu sagen das größte Projekt, ist und bleibt der Umbau oder Rückbau. Dieser soll dieses Jahr beginnen, nach einer längeren Wartezeit, wer auch immer daran schuldig war, das lassen wir jetzt mal unkommentiert
Aber genau, der Umbau von der Baustelle praktisch, also Kulturgut Ost, das Entwicklungsprojekt, soll bestenfalls Ende dieses Jahres schon starten. Es hängt jetzt natürlich von der Bearbeitung des Bauantrags ab, aber da werden auf jeden Fall die ersten Arbeiten passieren müssen.
Thomé: Also alles ganz, ganz spannend. Insofern drücke ich da von Herzen die Daumen. Janis, wir sind schon so am Ende angekommen. Deswegen vielleicht noch eine ganz schnelle Abschlussfrage. Wenn du jetzt drei Wünsche frei hättest für dein Projekt von der Politik, der Stadt, von Investoren, von wem auch immer, welche wären das?
Mudrich: Eine Förderung, um die MitarbeiterInnen, die dort arbeiten, angemessener bezahlen zu können. Vorneweg das Allerwichtigste, weil man das Arbeitspensum eigentlich gar nicht bezahlen kann von dem, was sie leisten. Sonst erhoffe ich mir tatsächlich, dass wir das gemeinsam so schnell und so effektiv wie möglich für das Saarland und damit für alle entwickeln. Und sonst hoffe ich, dass auf jeden Fall die Stadt und die BürgerInnen weiterhin das Projekt oder den Ort so gut annehmen, wie sie das tun. So einfachste Bedürfnisse eigentlich, die jetzt gar nichts zwangsweise mit uns als Projektteam zu tun haben. Ich hoffe, dass manche Dinge, die auf der Welt oder in Deutschland passieren, bei uns vielleicht nicht ankommen werden.
Thomé:Ich drücke die Daumen für all diese Wünsche. Lieber Janis, ganz herzlichen Dank für das Gespräch. Alles Gute für dich und dein Team.
Mudrich: Vielen Dank. Danke für die Einladung.