Sprungmarken zu den wichtigsten Seitenabschnitten


Suche Hauptnavigation A-Z Übersicht Hauptinhalt Servicelinks

Internetpräsentation IHK Saarland - Partner der Wirtschaft


Positionen

Kennzahl: 17.6649

„Geschäftsmodell“ Export – Top oder Flop?

Kolumne
IHK-Vizepräsident Paul-Martin Milius

01.06.2010


Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat viele Gewissheiten ins Wanken gebracht und auch den Glauben an das deutsche Erfolgsmodell Export erschüttert. Schließlich stürzten nicht nur die Inlandsorders in bislang unbekanntem Ausmaß ab. Noch schneller und drastischer brachen sicher geglaubte Absatzmärkte in- und außerhalb der EU weg. Insgesamt verzeichnete die Exportstatistik für das Krisenjahr 2009 einen Rückgang um fast ein Fünftel gegenüber dem Vorjahr; bei einigen der wichtigsten Abnehmerländer wie Frankreich und Spanien lagen die Rückgänge sogar weit darüber. Die Folge: Das Saarland mit seinem weit überdurchschnittlichen Exportanteil wurde früher und härter von der Krise getroffen als andere Bundesländer.

Schnell waren die Kritiker bundesweit dabei, nach einem neuen „Geschäftsmodell“ zu rufen, nach Rückbesinnung auf den inländischen Markt. Sie waren wohl zu voreilig. Nur knapp ein Jahr nach Beginn des „Big Bang“ wiesen die Exportzahlen schon wieder aufwärts. Bald darauf schossen die Ausfuhren fast ebenso rasch wieder nach oben, wie sie in der Krise abgestürzt waren. Im Saarland zeigte sich diese Entwicklung noch ausgeprägter als bundesweit: Bei den Auslandsumsätzen der Saar-Industrie brachte der März ein Plus von über fünfzig Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das gesamte erste Quartal ergab sich immer noch ein Zuwachs um fast dreißig Prozent.

Jeden zweiten Euro im Export verdient….

Erneut bestätigt sich die schon lange gültige „Regel“, dass die Saarindustrie mehr als jeden zweiten Euro im Export verdient. Und dies ist nicht einmal die ganze Wahrheit. Viele saarländische Produkte – vor allem Kfz-Zulieferteile – gehen an die inländischen Werke der großen Hersteller. Von deren Endprodukten geht  aber wiederum ein erheblicher Teil in den Export. Rechnet man diese „indirekten“ Exporte hinzu, kommen die saarländischen Industrieunternehmen leicht auf einen Auslandsanteil von über sechzig Prozent.

Das zeugt von hoher Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Und es ist gewiss ein Stück weit auch Erfolg der saarländischen Politik und der gemeinsamen Anstrengungen von Landesregierung, IHK und ZPT, die Internationalisierung der Saarwirtschaft zu fördern – durch Information und Beratung, durch die Unterstützung von Messebeteiligungen oder die Organisation von Kooperationsbörsen im Ausland und nicht zuletzt dadurch, auch kleine und weniger erfahrene Unternehmen ganz wörtlich „mitzunehmen“, ausländische Märkte aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Das saarländische Modell der Exportförderung ist ein Musterbeispiel für eine effiziente und gelungene Mittelstandspolitik.

Junge Gesellschaften machen Märkte

Natürlich macht ein hoher Exportanteil abhängig von der Konjunkturentwicklung in andern Ländern, von deren Konsumlaune und Zahlungsfähigkeit. Aber die Risiken sind breit verteilt. Selbst von der jüngsten globalen Krise waren längst nicht alle Länder gleich betroffen - Asien etwa drosselte nur leicht und vorübergehend sein hohes Wachstumstempo. Viel schwerer als alle Risiken wiegen daher die Chancen, die im Export liegen. Sie liegen vor allem in den aufstrebenden Schwellenländern, deren Bevölkerung jünger ist und weiter wächst, deren Konsumbedürfnisse noch weit von allen Sättigungsgrenzen entfernt sind und deren Menschen in jeder Beziehung „hungriger“ und damit leistungsbereiter  sind als die in den „alten“ Industriestaaten. Entsprechend hat sich der Anteil der Saar-Exporte in diese Wachstumsmärkte innerhalb weniger Jahre mehr als verdreifacht. Immer stärker profitiert die Saarwirtschaft von der Dynamik der Schwellenländer, namentlich der „BRIC-Staaten“ Brasilien, Russland, Indien und China. Dort werden auch zukünftig Stahl, Maschinen und Anlagen, Fahrzeuge oder Medizinprodukte in erheblichem Umfang benötigt.

Das „Geschäftsmodell“ der Saarwirtschaft, die Konzentration auf den Export, hat sich also bewährt. Solange wir Spitzen-Know how zuverlässig und zu konkurrenzfähigen Preisen liefern können, wird es noch lange ein Erfolgsmodell bleiben – nicht nur für das Saarland, sondern für die Bundesrepublik insgesamt.