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01.10.2010

Kluge Köpfe gesucht!

Kolumne
Von IHK-Vizepräsident Wolfgang Herges


Der Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft spitzt sich zu. Immer mehr Unternehmen fehlen qualifizierte Fachkräfte von der dual ausgebildeten Fachkraft über den Ingenieur bis hin zu exzellenten  Forschern. Gerade im Saarland wird der Fachkräftemangel immer spürbarer. Nach dem Doppelabiturjahrgang im vergangenen Jahr mit dadurch bedingten zusätzlichen Schulabgängern ist der demografische Wandel in diesem Jahr angekommen. Unseren Ausbildungsbetrieben fällt es immer schwerer, ausbildungsgeeignete Jugendliche zu finden.

Dabei war die Lage am Ausbildungsmarkt in den vergangenen Jahren trotz hoher Bewerberzahlen ausgeglichen. Dank des großen Engagements unserer Unternehmen ist  die Zahl der neuen Ausbildungsverträge seit 2003 bis zum Rekordniveau im Jahr 2008 jährlich angestiegen. Im Krisenjahr 2009 konnte dieses Ergebnis nahezu gehalten werden. Doch der Ausbildungsmarkt steht vor einem Strukturbruch: statt Ausbildungsplätze werden jetzt die Jugendlichen, die diese besetzen sollen, knapp. Das hat erst jüngst die Arbeitsagentur bestätigt: es gibt deutlich mehr unbesetzte Berufsausbildungsstellen als unversorgte Bewerber.

Jeder vierte Jugendlich fehlt in zehn Jahren

Und das ist erst der Anfang. Im Jahre 2020, d.h. in gerade mal zehn Jahren, wird die Zahl der Schulabgänger um fast ein Viertel niedriger sein als heute. Verschärfend kommt hinzu, dass sich auf dem Ausbildungsmarkt ein „Sanduhreffekt“ andeutet. Immer mehr Jugendliche drängen einerseits zum Abitur. andererseits ist die Zahl der nur bedingt Ausbildungsfähigen unverändert hoch.  Wir befürchten, dass die im Ausland oft als Aushängeschild begriffene duale Ausbildung von mehreren Seiten in die Zange genommen wird. Darunter werden die kleinen und mittleren Unternehmen, das Rückgrat unserer Wirtschaft, besonders leiden. Sie werden trotz interessanter Ausbildungsberufe nur schwer junge Leute für ihre Lehrstellen finden.

Die IHK-Mitarbeiterinnen und –Mitarbeiter  müssen daher in den kommenden Jahren die Unternehmen zunehmend dabei unterstützen, die angebotenen Ausbildungsstellen durch geeignete Bewerber zu besetzen. In vielen Projekten und Aktivitäten wirken wir bereits heute mit, um die Berufsorientierung, die Information über Ausbildung und Ausbildungsberufe, schon in der Schule zu vertiefen.

Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Jugendlichen mit Hauptschulabschluss und mit Migrationshintergrund. Nur jeder siebte Hauptschüler findet direkt den Weg in die duale Ausbildung. Mit dem von uns mit initiierten Modellversuch „AnschlussDirekt“ wollen wir in den nächsten Jahren zusätzliche Bewerber aus Hauptschulen - und die wenn möglich noch früher - in Ausbildung bringen.

In den letzten zehn Jahren haben unserer Kampagnen für mehr Ausbildung im Netzwerk mit Unternehmen und den anderen Partnern große Erfolge gebracht. Dies stimmt uns zuversichtlich, dass es uns bei gleichem Engagement auch in den nächsten Jahren gelingen wird, unseren Unternehmen genügend Bewerber für ihre Ausbildungsstellen vermitteln zu können.