Offizielle Internetpräsentation der IHK Saarland



 Motiv: © Monkey Business - Fotolia.com

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09.08.2019

Quo vadis duale Berufsausbildung?

Von IHK-Präsident Dr. Hanno Dornseifer


Für den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama war – neben dem ausgeprägten Mittelstand – die duale Berufsausbildung entscheidend dafür, dass Deutschland besser als viele andere Industrienationen die Immobilien- und Finanzkrise vor zehn Jahren meisterte. Die duale Berufsausbildung „Modell Deutschland“ wird mittlerweile in vielen Nachbarländern als das beste Mittel zur grundlegenden Qualifizierung von jungen Fachkräften sowie als Garant für eine niedrige Jugendarbeitslosigkeit gesehen und daher auch gerne kopiert. Bei uns geht die Entwicklung jedoch in die andere Richtung. Immer mehr junge Menschen verlassen die Schule mit dem (Fach-)Abitur und die überwiegende Mehrzahl wählt den direkten Weg ins Studium – mittlerweile rund 60 Prozent eines Jahrgangs. Die Berufsausbildung ist in der Krise. Ich halte daher eine gesellschaftspolitische Diskussion über die duale Ausbildung, nicht zuletzt auch mit Blick auf das Thema Akademisierung, für dringend notwendig. Wenn die Berufsausbildung Bestand haben soll, muss deutlich mehr für das Ansehen getan werden, als dies bisher der Fall war.

Die Unternehmen der Saarwirtschaft stocken bereits seit einigen Jahren ihr Ausbildungsplatzangebot auf: zwei- bis dreihundert zusätzliche Stellen sind es durchschnittlich! Nur sinkt die Zahl der interessierten Jugendlichen in gleicher Höhe. Aktuell kommen auf 100 Ausbildungsinteressierte fast 160 Ausbildungsstellen, dreiviertel der Bewerber können aus mehr als einem zugesagten Ausbildungsplatz auswählen und so manches Unternehmen steht am Ende leer da. Aber resignieren ist keine Option. Denn unsere Unternehmen  brauchen den beruflichen Nachwuchs, nicht zuletzt um wettbewerbsfähig zu bleiben!

Deshalb wirbt unsere IHK mit vielfältigen Angeboten zielgruppenadäquat für die duale Ausbildung. So unterstützen unsere Ausbildungsberater und –coaches die Jugendlichen bei der konkreten Suche nach einem Ausbildungsplatz, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von AnschlussDirekt stehen allen anderen Akteuren an den allgemeinbildenden und mittlerweile auch den beruflichen Schulen bei der Berufsorientierung und der Vermittlung in Ausbildung zur Seite.

Unsere Ausbildungsberufe brauchen aber auch ein deutlich besseres Image: Vielen Jugendlichen erscheinen Ausbildungsinhalte antiquiert. Deshalb muss wesentlich schneller auf den technologischen Wandel reagiert werden, Ausbildungsinhalte müssen kontinuierlich angepasst und modernisiert werden. Dazu ist nicht zuletzt der ständige Informationsaustausch zwischen Wirtschaft und Schulen, zwischen Wirtschaft und Politik notwendig. Darauf setzen wir! Helfen Sie mit, die duale Berufsausbildung als „Geschäftsmodell“ attraktiv und wettbewerbsfähig zu halten!

Dr. Hanno Dornseifer
Präsident