Offizielle Internetpräsentation der IHK Saarland



 Motiv: © fotodo - Fotolia.com

Motiv: © fotodo - Fotolia.com

Kennzahl: 17.10147
01.11.2011

Die Zeiten ändern sich - Immer weniger Lehrstellenbewerber

Kolumne
Von IHK-Vizepräsident Wolfgang Herges


Während die IHK und ihre Mitgliedsunternehmen sich in den letzten Jahren noch mit großen Kraftanstrengungen um mehr Ausbildungsplätze bemüht haben, hat sich nun das Rad um 180 Grad gedreht: Die Unternehmen suchen händeringend qualifizierte Fachkräfte und ausbildungsfähige junge Menschen. Der demografische Wandel zeigt seine ersten Auswirkungen.

Nicht zuletzt deshalb ist die Sicherung von Fachkräften das Jahresthema unserer IHK-Organisation. Und dieses Thema beschäftigt das Saarland deutlich mehr als andere Regionen Deutschlands. Schon heute fehlen immer mehr Unternehmen qualifizierte Fachkräfte - von der dual ausgebildeten Fachkraft über den Ingenieur bis hin zu exzellenten Forschern. Durch die demografische Entwicklung wird der Fachkräftemangel noch deutlich zunehmen. In den letzten beiden Jahren wurde dieses Problem durch die Wirtschafts- und Finanzkrise sowie den Doppelabiturjahrgang 2009 überdeckt.

Der Wettbewerb um kluge Köpfe hat begonnnen

Bis zum Ende des Jahrzehnts sinkt die Zahl der Schulabgänger im Saarland um ein Viertel. Diese Entwicklung trifft weniger die Großunternehmen, die auch weiterhin viele Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz erhalten werden. Für die vielen kleinen Unternehmen, die den größten Teil der Ausbildungsplätze anbieten, bedeuten die rückläufigen Bewerberzahlen aber eine umso größere Herausforderung. Hierzu gibt es keine pauschalen Lösungsansätze, sondern die Unternehmen müssen individuell auf ihr Unternehmen, ihre Anforderungsstruktur und ihre Branche geeignete Lösungsansätze erarbeiten. Viele Unternehmen haben das erkannt und handeln schon heute. So machen sie verstärkt Öffentlichkeitsarbeit, arbeiten eng mit Schulen zusammen oder nutzen die Möglichkeiten der Verbundausbildung. Die kleinen und mittelständischen Unternehmen brauchen sich nicht zu verstecken, sondern sie sollten ihre „Ausbildungsqualitäten“ selbstbewusst vermarkten.

Während die Unternehmen bisher den Fokus auf Investitionen in Maschinen und Anlagen gelegt haben, werden sie zukünftig ihr Augenmerk verstärkt auf qualifiziertes Personal legen müssen.

Aber auch die Politik ist gefordert. Um die immer noch ungenutzten Potenziale, die wir in Deutschland haben, auszuschöpfen. Hier gilt es insbesondere die immer noch zu hohe Zahl von Jugendlichen, die nicht ausbildungsfähig sind, zu senken.

Diesem Ziel hat sich auch die Allianz für Fachkräftesicherung im Saarland verschrieben. (vgl. hierzu Seite 18) Auch der Modellversuch „AnschlussDirekt“, der durch die IHK gefördert und unterstützt wird, ist ein richtiger Ansatz. Er hilft Jugendlichen aus den Hauptschulzweigen bei der Berufsorientierung, vermeidet „Warteschleifen“ und hilft ihnen bei der Ausbildungsplatzsuche.

Ein besonderer Schwerpunkt, dem von unserer IHK schon seit einigen Jahren hohe Aufmerksamkeit gewidmet wird, liegt bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Mit unseren interkulturellen Ausbildungstagen gehen wir neue Wege: Wir binden die Eltern der Migrantenkinder, aber auch die jeweiligen landsmannschaftlich organisierten Verbände, direkt an den Schulen mit ein. Wir führen Einsteigertests durch, coachen die Jugendlichen für die Einstellungsgespräche und helfen ihnen, passende Ausbildungsplätze zu finden.

Diese wenigen Beispiele zeigen, dass die IHK mit großem Engagement die Herausforderungen des demografischen Wandels angenommen hat und wir uns auch weiterhin, im Interesse unserer Mitgliedsunternehmen, diesen stellen werden.