Aktuelles

Kennzahl: 17.2975

Für eine Qualifizierungsoffensive

IHK, HWK und VSU wollen ihr Engagement in der beruflichen
Weiterbildung weiter verstärken
Eigenbeiträge der Arbeitnehmer erforderlich

05.09.2001

Gemeinsame Erklärung der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes, der Handwerkskammer des Saarlandes und der Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände e. V.

Entscheidend für die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes ist mehr denn je die Verfügbarkeit an qualifizierten Arbeitskräften. Regionen, die bei Aus- und Weiterbildung die Nase vorn haben, werden auch bei Wachstum und Beschäftigung Spitze sein.

Die saarländische Wirtschaft setzt sich deshalb mit Nachdruck für eine breit angelegte Qualifizierungsoffensive im Saarland ein. Sie muss neben Schulen, Hochschulen und beruflicher Erstausbildung auch den gesamten Bereich der beruflichen Weiterbildung umfassen. IHK, HWK und VSU wollen auf diesem Gebiet künftig zusätzliche Aktivitäten starten und noch enger miteinander kooperieren. Sie werden bei ihren Mitgliedsunternehmen für ein verstärktes Weiterbildungsengagement werben und die Betriebe bei geplanten Qualifizierungsmaßnahmen beraten und unterstützen. Zugleich wollen sie bei der Entwicklung zukunftsorientierter Weiterbildungsgänge mehr noch als bisher eine Schrittmacherrolle übernehmen. Einen besonderen Schwerpunkt werden dabei qualitätszertifizierte Lehrgänge bilden.

Schon heute ist die Weiterbildungsbereitschaft der Wirtschaft ausgesprochen hoch: Über 2.400 DM je Mitarbeiter investierten deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr in die Weiter- und Höherqualifizierung ihrer Mitarbeiter. Im Saarland hat die Bereitschaft der Unternehmen, in die Weiterbildung der Arbeitnehmer zu investieren, in den letzten Jahren noch einmal kräftig zugenommen. Dazu hat auch das Landesprogramm „Lernziel Produktivität“ beigetragen.

Ziel der gemeinsamen Initiative ist es, das Saarland in der Weiterbildung bundesweit an die Spitze zu bringen. In der beruflichen Erstausbildung ist dies bereits gelungen. Angesichts der hohen Lohnnebenkosten und der immer kürzeren Arbeitszeiten müssen die finanziellen Lasten aber auf mehrere Schultern verteilt werden. Die Arbeitnehmer müssen verstärkt bereit sein, auch während ihrer Freizeit zu lernen. In anderen hochentwickelten Ländern ist dies längst eine Selbstverständlichkeit. Dabei zeigt sich: Wer einen Eigenbeitrag leistet, bringt in aller Regel auch mehr Motivation für seine Weiterbildung mit.

Bildungsfreistellungsgesetz novellieren

Vor diesem Hintergrund bekräftigen die Spitzenorganisationen der saarländischen Wirtschaft nochmals ihre Auffassung, dass gesetzliche Regelungen wie das saarländische Bildungsfreistellungsgesetz mehr schaden als nützen. Denn sie suggerieren, dass die berufliche Weiterbildung in erster Linie in die Verantwortung von Staat und Wirtschaft und erst in zweiter Linie in der Verantwortung der Arbeitnehmer selbst gehört. Notwendig wäre stattdessen die klare Botschaft, dass ständiges berufsbegleitendes Lernen ganz wesentlich auch eine Bringschuld der Arbeitnehmer sein muss. Nur so können diese den wachsenden Qualifikationsanforderungen des Arbeitsmarktes dauerhaft gerecht werden.

Der Vorschlag des saarländischen Wirtschaftsministers Dr. Hanspeter Georgi, bei Maßnahmen nach dem Bildungsfreistellungsgesetz einen Eigenanteil des Arbeitnehmers vorzusehen (sogenannte „3+3-Lösung“), geht insofern in die richtige Richtung. Besser wäre es, die gesetzliche Bildungsfreistellung gänzlich aufzuheben.

Die 3+3-Lösung ist für die Wirtschaft ein guter und praktikabler Vorschlag. Sie entspricht vom Grundgedanken und von der Realisierung her der Lösung, die mit Unterstützung der IG-Metall im neuen VW-Modell „5000 mal 5000“ vereinbart wurde. Alternative Lösungen, wie sie von der Arbeitnehmerseite in jüngster Zeit angedeutet worden sind, müssen sowohl für die Unternehmen als auch hinsichtlich der Signalwirkungen für den Standort mindestens gleichwertig sein.